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Posts

Es werden Posts vom 2014 angezeigt.

Eine helgesker Trommler

Synthie-Sounds, düster bis trashig, rythmisch räumt ein Unaufgeräumter Chris Ilmler seine Drums ab, vertieft in Lyrics auf Plastiktüten, säuselt er Unverständliches ins Microphon, das zum Tanzen bewegt, schiebt Kommentare ein, von der Freude über die Anwesenden, nimmt sich selbst auf die Schippe, schüchtern heroisiert er sich, übertreibt und zieht sich in die Klänge zurück, hochkonzentriert und genau, dabei wirkt er anders. Helegeske Einschübe zu den Gesprächen im Publikum, dem Vermieten des Vermietens wegen, in einem lauten, grinsenden Ausbruch inszeniert er Empfindlichkeit oder einfach nur sich selbst. Am Ende, nach der dritte Zugabe, wie ein Kind, dass nicht vom Spielplatz will, versucht er eine Flucht durch die Bücherwand in den Keller, die misslingt, als fühle er sich so vordergründig auf der Bühne nicht so wohl, oder dann, wenn die Instrumente als Burg und Rüstung nicht mehr da sind, wegfallen, dann schämt auch er sich ein wenig. Es hallt nach: "Ich mache mir Sorgen - um N...

Einblicke in verschlossene Blicke: Rauch, Gursky und Schutz in Kerstner Gesellschaft

Neo Rauch zeigt Zeichnungen und Plastiken, so phantastisch wie grausam, eine Neo-Märchenwelt vielleicht. Eine stämmige Frau, " Die Jägerin ", mittelalterlich trägt sie aber Dock Martins, Männerköpfe entspringen ihrer Brust, ein Adler trohnt wachsam auf ihrer Schulter. Die Mutige ängstigt nicht. Andreas Gursky hingegen komponiert oder sieht die Struktur in seinen sozialdokumenatrischen Aufnahmen, und vereint darin System und Schönheit. Wenn die Linien im Bild der riesigen Nähfabrik beim Betrachten aus der Nähe zu Stromleitungen für Lampen werden, und die Punkte Frauen in gleich Kleidern und gleichen Abständen zueinander sind, Körbe, Sachen und Nähmaschinen, eine feste Struktur der Einheitlichkeit, die sie dort für die westlichen Welt ins konformer Markenmode wohl auch produzieren. Oder in der Ansicht des Bergwerks, bunt blitzen Gegenstände zwischen dem Schwarz auf, das wenige Hab und Gut für die Pause, Sachen zum Umkleiden, Pausenbrote in Brotbüchsen hägen an Ketten neben...

512 stunden beendet

die kraf der kunst in der sanftheit von weiss und stille durch ein ashram der kunst zu schreiten zu schauen innezuhalten die kraft der leisen berührung der begrüßung und verabschiedung der magie der anwesenheit der künstlerin ihrer präsenz im nichts marina abramović beendet 512 hours in der serpentin gallerie: http://www.serpentinegalleries.org/exhibitions-events/marina-midnight-serpentine-diaries

Wenn das Kind in den Brunnen ... springt

Ein Hamburger Künstler erklärt die Stadt zum Hotel, die Heimat zum Fremdfühlen, erteilt die Einladung zum "Fremdgehen" - indem man an der Rezeption seine Wohnung gegen eine andere tauscht. Szenenwechsel, Eppendorf für Wilhemsburg, Zuckerhäuser gegen Containerburgen, türkische Gemüsehändler gegen Bio-Läden. So könnte er sein, der Hamburger Sommer, fremd und wild. Wenn doch die Statistiken alljährlich behaupten, die Deutschen zögen Balkonien der Welt vor, warum dann nicht mal die Aussicht wechseln? Zahlreiche Events begleiten das große Konzeptkunstidee, klein und verdeckt in auserwähltem Kreise, so wird die Sauna am Deich eingeweiht, dann die Kegelbahn - in der Kulturbehörde - und ein Fest im  Gartenpavillon am Strandkai der HafenCity gefeiert. Kooperationen und ungewöhnliche Orte: die Eckpfeiler des Hotels (ent)stehen, darauf folgt das Leben. Pagen, Barkeeper und ein Jan Holtmann - vorder- und hintergründig spricht er zur Springbrunnen-Ausstellung von "Brunnen", si...

Für den geschmeidigen Auftritt der Politik: Kunst(PR)Aktionen kommunizieren Kindertransporthilfe des Bundes

Mai 2014 und Syrien ist wieder in den Medien. Die Medienagenda mitbestimmen, unterdrückte Themen wieder in den Medien platzieren, das ist Aufgabe der PR von Interessenverbänden. Und Aufgabe der gesellschaftkritischen, politischen Kunst, denn sie hat mehr Mittel und Freiheiten. Sie darf unehrlich sein, die PR muss glaubwürdig bleiben. Schön, Künstler zu sein und eine atemberaubende, aufwändige Kampage auf die Beine zu stellen, die nicht nur Familienministerin Manuela Schwesig erfolgreich und sympathisch in die Zeitung bringt, sondern auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit weckt. Als Medium der neuen Art bezeichnet Spiegel-Online-Redakteur Georg Diez die Kunstaktionen des Zentrums für politische Schönheit: " Sie schaffen sich die Nachrichten, die sie gern hätten, gleich selbst".

Substanz (um)nutzen statt Abreissen

"Es gab ja alles, es gab 'ne Geschichte und es gab Baussubstanz und alle Energie, die da schon drin steckte, warum sollte die durch Abriss wieder Energie kosten?" , Architekt Arno Brandlhuber über die Umgestaltung der ehemaligen DDR-Unterwäschefabrik zur Anti-Villa.

Die Kaputtness aller

Lars Eidinger im Gespräch mit Daniel Josefsohn und Sarah Kuttner "Ich glaube, wir sind alle ganz schön kaputt. ... Ich glaube unsere Seelen sind alle extrem beschädigt. ...  Ein Schauspieler hat natürlich eine bestimmte Glaubwürdigkeit, weckt das Interesse, wenn er das offenlegt, was andere in sich vermuten. Der normale Kautz gesteht sich das ja vielleicht nicht ein. Schauspielerei funktioniert immer darüber, dass man in dem Schauspieler etwas wiedererkennt, was einen an einen selbst erinnert - nur dann ist Schauspielerei ja wirklich glaubwürdig, interessant und faszinierend. Guckt mal, dem scheint es gerade so zu gehen wie es mir auch manchmal geht. Dann beginne ich empathisch zu werden."   "Aber dann spieltst du ja nur die Kaputtness der Leute?" "Genau." "Aber nicht deine eigene." "Doch - auch. Denn meine Kaputtness ist die Kaputtness aller." Online-Version des Beitrags_ http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/live/1822440/...

"Vorstellen, verstellen, darstellen ..."

"Das ist die Dreifatigkeit der Kunst" , erklärt der Direktor Hassenreuther (Karin Neuhäuser) des verstaubten Theaters dem jungen Theologen Spitta (Mirco Kreibich), der sich dem Wahren zuwenden will, etwas wirklich bewegen will, auf die Bühne muss. "Aber das ist doch Kunst" , zweifelt seine Freundin Walburga, die Tochter des Theaterdirektors. Das Echte sehen. "Die Leute wollen nicht mit der Realität konfrontiert werden" , tobt Hassenreuther, dessen Theater die eigene Depression nur überlebt hat, "die wollen genießen" und wendet sich seinem rudimenteren Ensemble zu, einer rothaarige Schönen, die für ihn tanzt und ihm assistiert. Die wirklich wirkliche Wirklichkeit auf der Bühne? Die drei unternehmen den Versuch dennoch. Und verlassen die staubigen Räume des leeren Theaters und inspizieren die Obdachlosen, eine raue Horde Wilder, trunken, brutal und animalisch, vergewaltigen sie die Schauspielerin. Es unterbricht die Maske, aufatmen, nur ei...

Atmen

Birgit Brenner wiedergefunden. Eigen+art. Jetzt also mit 3D-Collagen von Geld und Wellensittichen, die Hotel.Zimmer.Geschichten, zärtlich-verstörend wie ausgeklappte Drehbücher an die Wände des Raums gestellt, sind verschwunden. Kein Mensch, kein Drama. http://www.eigen-art.com/files/thumbs/bbrenner_atmen_reicht_nicht_2.jpg

Sein OS

Huxley's wunderbare neue Beziehungswelt: Theodore Twombly ( Joaquín Phoenix ) lebt in der Zukunft, der Schnitt seiner taillenhohen Bügelfaltenhosen und die organgefarbenen Feinkordhemden verraten, dass die 1950er ihr vielleicht 100-Jähriges feiern. Jeden Tag verfasst er handgeschriebenen Briefe im Auftrag seiner Kunden und konstruiert ihr Leben, versüßt es ihnen mit viel Einfühlungsvermögen. Privat ist er einsam und lebt zurückgezogen - interagiert mit den 3D-Figuren seines Computerspiels im Wohnzimmer. Auf einer Messe entdeckt er schließlich eine technische Neuerung. Samantha, so nennt sich sein operating system (OS) selbst, das er ab sofort mittels Knopf im Ohr mit sich durchs Leben trägt. Mit Erwachen beginnt Sam zu lernen, sie durchstöbert sein virtuelles Leben und redet mit ihm,  fragt, neckt, motiviert, weckt, arrangiert. Eine Art Assistentin und Lebensberaterin in einem, eine Art Ehefrau - eine Frau natürlich. Ein OS, sein OS. Er genießt sie dabei zu haben. Die get...

Emotionen in der KunstFilmKunst

Die Verbindung von Mainstream/ Erfolgskino und Nische/Kunstfilm suchen die Kuratoren Daniel Tyradellis, Franz Rodenkirchen und Ellen Blumenstein in den KunstWerken Berlin. Statt nebeneinander baut man in der Ausstellung dann aber exklusive, bestuhlte Kino-Boxen für die kleine Auswahl an Kunstfilmen, die ein Kommen und Gehen verhindert - und den ungestörten Konsum ermöglicht. Die Mainstreamfilme hingegen rauschen ins Sequenzen über die Bildschirme in der großen Halle. Bilder sammeln und verwischen die Gefühle. mehr_ www.kw-berlin.de/de/exhibitions/real_emotions_thinking_in_film_414

Verschlungen schläft Guston in Pastell

Philip Guston in der Sammlung Falckenberg. Die pastellfarbenen Werke wischen Beinen, Gelenke, Schuhsohle, Butterbrote und Zigarettenstummel auf die Leinwand. In Comic-Manier und den seichten Farben wirken sie harmlos oder humorvoll - auf den ersten Blick. Doch hinter dem lustigen Kapuzenmännchen verbirgt sich das Symbol des Ku-Klux-Klans und die in den unendlichen Posen von Mensch, die Gefangenheit des Künstlers selbst wie in "Painting, Smoking, Eating (1973)" . Die Düsternis der Zeit versteckt im vermeidlich dekadentem und freundlichen Comic-Art-Rosa. Schwindel zwingt mich in die Knie. Bei " Sleeping (1977) " sieht man den Schlafenden kaum. In einem Berg voller Darm, Haut und Magen ragt eine Wimper über den Rand, die ihn zum Menschen macht, dessen Schlaf ich in Rot-Rosa zum Vergangenen erklärte. mehr_ http://www.deichtorhallen.de/index.php?id=380

Warme Farbe Blau

Adéle, stimmt etwas nicht? Die Irritation, wenn etwas nicht so ist, wie man gemein annimmt. Aber Blau kann eben auch eine warme Farbe sein. Der Film "Blau ist eine warme Farbe" (franz.: "La vie d'Adéle" ) basiert auf der gleichnamigen Graphic Novel von Julie Maroh, in dem sich die Schülerin Adé´le in die Kunststudentin mit den blauen Haar verliebt. Sie liest begeistert " La Vie de Marianne" von Pierre Carlet de Marivaux aus dem 18. Jahrhundert im Bus, in dem die Überwindung der Klassengesellschaft thematisiert wird. Genau diese beiden Themen verbindet der Coming-of-age-Film, indem die Findung in der gleichgeschlechtlichen Liebe mit den Grenzen der sozialen Herkunft und der sexuelle Bedeutung der Liebe verbindet - in eindringlichen, eindeutigen Sequenzen aus dem Leben der Adéle. Voyeuristisch nah doch ohne übertriebene emotionale Spannungen Sehr dicht kommt der Zuschauer der Hauptdarstellerin in dem Film. In seiner leisen Beiläufigkeit gelicht...

Alle sterben - und jeder aus Prinzip

Ein paar Flugblätter nur, 286 Karten, selbstgedruckt, verteilt in zwei Jahren von dem blass-grauen Ehepaar Quangel, gespielt von Oda Thormeyer und  Thomas Niehaus , in der Zeit des zweiten Weltkriegs. Darin fordern Anna und Otto auf, Hitler-Deutschland nicht weiter zu unterstützen, die Arbeit in den Fabriken niederzulegen. Sie klären über die Toten auf, die Opfer des Nationalismus sind, die keinen Heldentod starben. Ihr Ottochen fiel im Krieg, aber das Schreiben der Feldpost macht ihn zum Helden. Von der linken Zelle, die wie ein Samen aufkeimt träumt die Witwe Trudel ( Maja Schöne ), leise. Denn auch das Leise wird belauscht. Sie drucken und verteilen die Wahrheit in Treppenhäusern, Büros und Arztzimmern. Wie Zündstoff geraten die Karten in den Hände der Leute – werden wie Gift beseitigt. Niemand beschmutzt sich. In geringen Dosen verteilen es die beiden langsam unter den hungrigen, traumatisierten Hyänen, verschrecken die kautzigen Beamten oder überdrehten Verwahrlos...

Die Nacht übertreibt

Wohl kaum. Sie hält den Atem an. Moritz Krämer und Francesco Willking liefern sich in ihrem neuen Projekt "Höchste Eisenbahn" ein Duett der Vielfalt und Einfalt. Es gibt keine Linie, wenn Singer-Songwriter- Klänge auf Rap, Synthie-Sounds, soulige Elemente und Trash-Pop treffen. Das Tele-Lachen und infatile Säusel-Kreischen kreuzt sich in der Variation der Songs. Anspielungen der Band zu Ruhm, dem Hamburger Gefahrengebiet und das Leben als Testimonial für Browsergames vertreiben die Schwere der Songs in Pausen. Schau an, schau an, schau, in den Lauf(,) Hase..