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Es werden Posts vom März, 2012 angezeigt.

Die Kunst war viel populärer als ihr noch keine Künstler wart

In einer sich verselbstständigenden, flatternden Opernkulisse suchen die Künstler fern der Bühne nach neuen Möglichkeiten im System Kapitalismus: Fremd- statt Selbstverwirklichung, die Attraktivität zu Hause abstreifen können, die Liebe, die ohne Widerruf ist, das Dasein. In Polleschs "Die Kunst war viel populärer als ihr noch keine Künstler wart" kreisen ausgesprochene Gedanken um das Künstler-Dasein, Attraktivität und Persönlichkeit, Talent und Handwerk, das Empfinden und den Körper, das Herausbilden und Vergehen; den Schmerz, der niemals aufhört. keine Betäubung und selbst der Tod lindert den Schmerz nicht - wie eine Narkose, die alles betäubt - sondern löscht lediglich die Erinnerung daran, dessen Existenz. Gedankenraten bis zum Würgegriff. Narkotikum oder Bühnenebel? Die Volksbühne kooperiert mit Hamburg, eine Hand voll Pollesch-Fans, sonst weigert sich Hamburg, die Ränge zu füllen. Aber die wenigen geben überzeugenden Applaus. Das Stück anhalten wollen, die Worte, die ...

Der Garten der Geduld - Ein langer quälender Abschied

Ein langer, quälender Abschied. Zwischen Sprach- und Schlaflosigkeit schallen diffuse Dialoge, weinerlich, cholerisch, die nach Vergangenheit, Glück und Freiheit fragen. Und wenn sie nicht schweigen oder reden, tanzen sie in unterschiedlichem Rhythmus zur Orgelmusik auf dem Gut. Oder sie küssen sich, mitunter auch unerwartet jemand anders, ehe sie sich in mehreren Anläufen durchringen, Abschied zu nehmen. Von einem Gut und Garten, dem das kränkelige Lebensschicksal der Maman anhaftet, die gealtert aus Paris zur Heimatwiege zurückgekehrt ist. Es ist der Stein um ihren Hals, der sie in den Abgrund zieht.  "Aber ich liebe ihn" , sagt sie und lächelt abwesend. Für Geduldige ist  Percevals Inszenierung am Thalia  gemacht. Eine Kulissenhimmel aus knallerbsengroßen Kirschblüten, die hängen lose im Raum. Neun Menschen tanzen über das Fundament, das sie zu retten versuchen: Ein verschuldetes Bauerngut mit einem großen Kirschgarten. Schlaflos läuft die Zeit rückwärts, die ti...

Kettcar und ein Zug nach Berlin

Jede Band, auch die Hamburger, scheinen mindestens einen Berlin Song zu haben. Angelika Express schicken ihre Leute dem Trend hinterher: "Hau doch ab, nach Berlin" , Tele verabschieden ein Berlin wie es mal war "Bye, Bye, Berlin" , Die Sterne träumen vom "Big in Berlin" tonight sein und Kettcar singen in 48 Stunden von einen Kuss und einem Zug nach Berlin. Bein Konzert in der Großen Freiheit beginnen Kettcar mit diesem Berlin-Song und setzten ganz ans Ende ihres Auftritts einen der neuen Songs, der Hamburg gewidmet ist, dem neuen, schrillen Hamburg. Die Fans, wären sie nicht lokal-patriotisch, fan-kultiviert und lauthals trunken wie ein Fußballchor, bekamen ihn erst mit der dritten Zugabe bekommen. Vielleicht hätten Kettcar diesen Song ihren Fans gerne vorenthalten, denn sie hängen ohnehin noch den Liedern nach, die sie schon seit mindestens einem Jahrzehnt grölen und die neue EP "Zwischen den Runden"  geht völlig darin unter. Dabei...

Der Ritter von der traurigen Gestalt und die Illusion des Seins

Ein Anti-Held in einer Gegenwelt, die sich ihr verzaubert gegenüberstellt, und wenn in diesem Theaterprojekt "Quijote. Trip zwischen die Welten" eben die Helden zwar Don heißen aber als Frau, Pferd und Wutbürger, als alles und jeder in Erscheinung treten, sind es wohl wir alle, die tölpelig durch diese Welt (ja, sie ist eine Bühne, Shakespeare!) taumeln, spielen um der Realität zu entfliehen, Rüstungen zur Entfremdung tragen, davon reiten um zu begrenzen und doch wiederkehren, um die Energie wie einen Staffelstab weiterzureichen. Wer geben kann, hat alles. Der Ritter von der traurigen Gestalt will seine eigene Geschichte nicht schließen, die er in Transformation durchquert, die lange noch nicht vorbei ist. Die Liebe ist platonisch und er abstinent, um ihr die Geschichte zu schreiben, von den Heldengeschichten, die keine sind. Etwas sein zu wollen, was man nicht ist. Die Geschichte, das eigene Buch fortzuschreiben, eine Figur zu sein - im Leben. Das Scheitern und unvollko...

Zweimal Glück, bitte!

Glück gibt's nicht im Späti, und auch nicht auf Kinoleinwänden... selbst wenn Doris Dörrie ihren neuen Film so betitelt, und darin dieses einfache Glück meint, zeigt sie darin doch nicht mehr als jeder andere, leisere oder lautere Film, oder unser eigenes Leben: Es gibt viele Momente, in denen wir uns gar nicht bewusst sind, dass wir es haben, das Glück. Immerhin, ein guter Vorspann. Überzogen sind Dörries Geschichten von den Menschen wohl oft, keine authentischen Erzählungen, eben ganze Kinogeschichten, fiktiv und ungewöhnlich. Dabei weder dramatisch und leider auch nicht sonderbar und leise. Laut und Klischee beladen, extrem und unnötig, die Figuren zu stark und ohne große Identifikation. Könnte die Geschichte nicht auch ohne ohne Prostitution und Punk auskommen, es viel weicher zeichnen, das Schicksal und die Glücksmomente. Prostituieren wir uns nicht alle, körperlich und seelisch, beruflich und privat. Reißen wir nicht alle mal aus oder denken darüber nach? Punkrock im Büro ...