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Wenn das Kind in den Brunnen ... springt

Ein Hamburger Künstler erklärt die Stadt zum Hotel, die Heimat zum Fremdfühlen, erteilt die Einladung zum "Fremdgehen" - indem man an der Rezeption seine Wohnung gegen eine andere tauscht. Szenenwechsel, Eppendorf für Wilhemsburg, Zuckerhäuser gegen Containerburgen, türkische Gemüsehändler gegen Bio-Läden. So könnte er sein, der Hamburger Sommer, fremd und wild. Wenn doch die Statistiken alljährlich behaupten, die Deutschen zögen Balkonien der Welt vor, warum dann nicht mal die Aussicht wechseln?

Zahlreiche Events begleiten das große Konzeptkunstidee, klein und verdeckt in auserwähltem Kreise, so wird die Sauna am Deich eingeweiht, dann die Kegelbahn - in der Kulturbehörde - und ein Fest im  Gartenpavillon am Strandkai der HafenCity gefeiert. Kooperationen und ungewöhnliche Orte: die Eckpfeiler des Hotels (ent)stehen, darauf folgt das Leben. Pagen, Barkeeper und ein Jan Holtmann - vorder- und hintergründig spricht er zur Springbrunnen-Ausstellung von "Brunnen", sie vom "Springen"; der Biologie, Mythologie oder vor allem der Etymologie diesem Bund der Worte - und lesen aus dem Duden. Durch eine Springbrunnen-Kollektion stolpert man im Keller des Hotels der Grindelallee: Schokobrunnen, aufgeschobene Gullideckel und schwebende Hähne und Wasser an Plexiglas - und doch wirklich entzückend ist nur die Installation im Außenbereich: Aus dem Dixie-Klo sprudelte ein kleiner Gartenteich-Springbrunnen. Das wär's, war's doch eigentlich. Wer braucht schon eine wirkliche Kunst-Ausstellung in einem konstruierten Hotel-Kunstprojekt?

das war_https://www.facebook.com/events/1436468243293069
mehr_http://www.das-hotel-hamburg.de/entree/

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