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Es werden Posts vom März, 2013 angezeigt.

Im Aquarium: Zierfische unter Häuslebauern

Irritation hinterlassen die Stereotype im Stück "Nicht Fisch nicht Fleisch" am Theater Freiburg, denn sie hängen fest, nicht nur als Zielfische im System Aquarium sondern auch in der Häuslichkeit der 70er. Bei den kinderlosen Karrieristen Emmi und Edgar leidet er unter Liebesentzug, den er in Körperlichkeit von der versteiften Puppe in Nadelstreifen einfordert. Sex ist da die letzte Möglichkeit, seine beruflich erfolgreiche, selbständige Frau noch im Griff zu haben. Und der Gewerkschafter Hermann arbeitet hart, verdient wenig und kämpft für die Zukunft unserer Kinder. Dabei gefährdet er aber sogleich die Existenz seiner eigenen Familie, wie seine Frau Helga befürchtet. Sie ist Hausfrau und Mutter, eine gute Seele, nützlich, gefügig und verfügbar.  Ihre kleinen Welten brechen alle zusammen – miteinander und nacheinander wie das Hausdach, das als einziges Element der Kulisse durch den Raum schwebt. Die Schauspieler imitieren haltlos dessen Pfosten, die dem häuslichen Kons...

Wie man das Scheitern (in der Kunst) optimiert

"Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei. Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." Samuel Becketts Worte leiten den Rundgang in der Hamburger Galerie der Gegenwart durch Videos und Fotografien zum Thema "Besser scheitern" ein. Das Paradoxon stellt unbedingt unseren Leistungs- und Erfolgsdruck in Frage und setzt dem sogleich die schwindend geringe Wahrscheinlichkeit, in der Kunst zu Ruhm zu erlangen entgegen. Das gesellschaftliche, menschliche Scheitern als künstlerisches Thema, insbesondere aber auch das Scheitern in der Kunst. Die erste Videoarbeit von   Guy Ben-Ner  ("If only it was as easy to banish hunger by rubbing the belly as it is to masturbate")  schließt direkt an das Zitat an. Künstler und Museumsdirektor rasen endlos in einem Patchwork-Dialog aus Zitaten der Weltliteratur von Don Quichotte bis Warten auf Godot  hängend und  ziellos durch die Landschaften. Sie wechseln die Fortbewegungsmittel und den Hintergrund, das...

Subtraktion nach Lacan: Liebesanspruch - Bedürfnis = Begehren

Der Psycholanalytiker Jacques Lacan habe eine "Formel", die besagt, dass sich das reine, eben nicht narzistische  Begehren aus der Subtraktion des (egoistischen) Bedürfnisses vom Liebesanspruch ergibt. In der philosophischen Show von Dr. Christian Gefert und Dr. Heidi Salaverría oder kurz EGG (Ewige Geistesgröße) im Golem werden Textauszüge bunt und digital direkt vom Schreibtisch auf die Wand gebeamt und Fragen gestellt. Es ergibt sich ein gleichwohl zu polemisch gespieltes wie geschlechterspezifisch polarisierendes Dr.-Dr.-Duell, dem der Schwung fehlte. Manchmal. Oder der Witz oder die Antwort. Sie liest das Märchen "Der Fischer und seine Frau" als Gleichnis vor. Der Fischer, der stetig versucht dem Anspruch seiner Frau nach mehr und immer mehr nachzukommen. Das Bedürfnis, diesen endlos erwarteten Liebesbeweis einzufordern und zu erbringen. Dabei beweisen weder materielle noch verbale Mittel deren Existenz. Die Ansprüche zerschellen einfach. Aber Lacan...