Direkt zum Hauptbereich

Posts

Es werden Posts vom 2018 angezeigt.

Ferne Väter

"Das ist schnell gelesen", legt mir eine Freundin "Töchter" (2018 Rowohlt) von Lucy Fricke auf den Tisch. Unbedeutend, denke ich, wenig Tiefe vielleicht. Doch es ist anders: düster und humorvoll zugleich. Ich wandere mit der Ich-Erzählerin Betty nach Italien, in die leeren kalten Kathedralen und das Pantheon in Rom. Dann ist sie auf Zuruf ihrer Freundin Martha wieder in den schmutzigen Straßen Berlins. Ich finanzierte mich, indem ich aus der Stadt verschwand. Brauchte ich Geld, fuhr ich weg, in Gegenden, die billiger waren als diese, und davon gab es jede Menge. Zwischen Altwerden, Alkoholexzess und Fehlgeburten treffen sie sich wieder, um sich auf den Weg zu ihren Vätern zu begeben. Betty, gerade zurück, vom Versuch, das Grab ihres verstorbenen Vaters zu finden. "Du hast so viele Väter, dass ich gar nicht nie weiß, von welchem du sprichst." Martha übertreibt. Sie wird von ihrem Vater gebeten, ihn auf seiner letzten Fahrt zu begleiten. "Das ...

Hop on/off - Off Triennale im Kraftwerk Bille

Alten Hallen des verlassenen Kraftwerks. Enver Hirsch und Philipp Meuser stellen Details und tiny Houses im Eigenbau-Stil über Eck gegenüber. http://www.off-triennale.de/collectives

Wale schaukeln durch den Saal

Vom Sprechchor der Walfänger verfolgt. Die verharren in den Fluten und Gedanken. Die Wogen fließen bis in den U-Bahnhof, ein Boden spiegelglatt, das Schaukeln im Nacken: #MobyDick füllte unsichtbar den Theatersaal. Selten so viel Bildgewalt ohne Bühnenbild im Theater gesehen. Eine große pantomimische Leistung mit viel Wasser, Ausbruch, Wahnsinn und Muskelspiel noch dazu. Sie stehen zusammen, schwanken auf dem nussschalengroßen Boot. Das ein Kutter ist. Im Meer. Saufen, starren, putzen, essen, waschen sich ... an Deck. Greifen an, kämpfen, spielen mit sich. Traumatisiert verfängt sich einer der Walfänger im wissenschaftlichen Erklär-Monolog.  mehr: https://www.thalia-theater.de/stueck/moby-dick-2013

Bloc Party akustisch

Kele Okerekes Gesang ist klar, wenn er mit Gitarre hinter dem Micro steht. Es sind fast nur die Lyrics im Raum. Folk statt Indie Rock. Modern Love und Sunday, ein paar Bloc-Party-Songs sind dabei. Sie sind leiser, wirken aber intensiver. Dem Text lauschen. Vom Aufwachen an Sonntagen.  Füße und Hüften bleiben still. Lauschen im Moltow, das hatte ich noch nie. "Streets been talkin'" klingt wie ein Lullaby. Mit seinem dritten Album wendet sich der Sänger von Elektro und Rock ab.  Fatherland erschien 2017, nach The Boxer und Trick.  

Und dann kam Mirna

Und dann kam Gerta ... Und dann kam Pauline ... Und dann kam Adam ....und dann ging nichts mehr. Karriere nicht, spontane Konzertabende nicht mehr, Paarleben außerhalb der Wohnung - vorbei. Das geht einfach nicht mehr - mit Kind. So hört man es immer wieder die opfernden Eltern sagen.  "Wer vor dem Kind kein Talent hatte, entfaltet es auch danach nicht." Im Stück "Und dann kam Mirna" stellt Sibylle Berg die Mütter in den Mittelpunkt. Nicht die Helikopter-Mütter mit Burnout. Oder doch, auch die. Es geht um vier Mütter-Stereotype, die im Selbstfindungs- und Dauer-Analyse-Modus gefangen sind, in einer Küche, bei zu viel Wein, mit anderen Müttern, die gerne über ihre Lebens- und Berufspläne sinnieren. Aktionspläne schmiedet eine, auf die große Revolution wartend. Die andere will eine Frauen-Kommune auf dem Land gründen und dort am Notebook arbeiten, leidet aber an einer Angststörung. Die nächste träumt noch davon, mit ihrem Studium irgendwann, wenn die Kinder...

Von der Kraft der Präsenz - Marina Abramovics Biografie

"Durch Mauern gehen" (Luchterhand, 2016) ist die Autobiografie einer der bedeutendsten Performance-Künstlerinnen weltweit:  Marina Ambramovic , geboren 1946 in Belgrad, wirft einen Blick zurück auf 70 Lebens- und Schaffensjahre. Das Buch handelt von der Kindheit als Partisanen-Tochter, von ihren Reisen, ihrer spirituellen Suche, der Anstrengung in der Kunst und Kraft der Performance als künstlerische Arbeit, von ihrem Weg zum Ruhm, ihrem Haus in Amsterdam, ihrem Traum vom eigenen Institut und ihren zwei Lebenslieben, beide mit einem Ablaufdatum von 10 Jahren versehen. Komprimiert, kurzweilig, abenteuerlich und sachlich ist diese Biografie. An einigen Stellen schürft sie die wahre Marina, ständig nackt, körperlich, und doch nagt man in den fast 500 Seiten nur am fest verschlossener Kern ihres Inneren. Kein wirkliches Durchdringen zu ihrer Seele legt sie mit ihrer Biografie offen. Sie widmet das Buch ihren Freunden und Feinden. Sie heiratet nie, hat keine Kinder. Abramovic...