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Es werden Posts vom November, 2012 angezeigt.

Hans, schäme dich!

Er zwingt zu Geduld und akustischer Ausdauer. Hans Unstern und Band schwindelt nicht, er überzieht, wie einmal lang Luftanhalten ist das meditativ-psychedelische Schalgzeugsolo, das den instrumentalen Einstieg von  "Bea criminal"  in das Konzert trommelt. Bei  "Ich schäme mich" , setzt die Stimme klangvoll ein. Die Riesentuba und der Mann hinter den Saiten der Harfe klagt vom Mut, den er doch auch nicht hat und zieht die Stirn unter haarigen Augenbrauen in Runzeln. ".. den großen Streichelzoo im Nacken, mit oder ohne dickem Fell bleiben Ratschläge Schläge und Gitterstäbe Gitterstäbe .. "  Unsterns lebendiges Pseudonym reiht sich als Bandmitglied in die Frontrow, klärt auf, was unverstanden blieb. Sie ist Teil der Band. Kein Schwindel? Und eine erstaunlich bunte Truppe, eine Band, die keine optische Einheit bilden muss, um dem Anspruch der Ausgefallenheit und Vielfalt zu entsprechen, nichts ist gefällig oder nur schön. Der Unstern hat Zöpfe, zwei und ...

Die Bedeutungsebenen von "time of my life"

"... finanziell war "Dirty Dancing" ein riesiger Erfolg, aber in der großen Welt der großen Autorenfilme wurde er belächelt. Bis heute. [...] In neun Aufsätzen würdigen verschiedene Autoren aus dem Kulturbetrieb die politischen, feministischen, marxistischen wie psychoanalytischen Bedeutungsebenen eines der beliebtesten Liebesfilme. [...] Ein hochpolitisches, feministisches Werk also, jahrelang zu Unrecht von der Filmkritik verschmäht." schreibt Judith Luig in Die Welt . Die Lesung und Buch-Release-Party zu  »Ich hatte die Zeit meines Lebens - Über den Film 'Dirty Dancing' und seine Bedeutung«   im Golem war ein wenig holperig . Die thematischen Facetten des Films s tellten Herausgeberin Hannah Pilarczyk sowie die AutorInnen Birgit Glombitza, David Kleingers und Christoph Twickel vor - und gespikten die Lesung mit den Filmszenen der größeren Bedeutung, bei denen das Publikum noch immer vergnügt quitscht. Da werden die begrenzten Filmmittel und Re...

Einzigartig austauschbar

René Polleschs "Neues vom Dauerzustand" handelt von den Liebesgeschichten, in denen wir uns immer wieder aufs Neue zerstreuen. Davon, was uns das Wort Liebe überhaupt noch sagt, vom Werteverfall der Liebe vielleicht oder gleichwohl von der Überbewertung ihrer Sinnhaftigkeit und Optimierung ihrer natürlichen Qual. Kurz: der Austauschbarkeit von Menschen, der Liebesform selbst, in einem materialistischen System. Dem Lieben, der Leidenschaft, dem Leiden, dem Durchhalten, dem Scheitern, dem Selbstmitleid, dem Selbstabtöten und dem sich immer wieder aufbauenden Ego - als würde das bis in die Unendlichkeit wiederholt werden können. "Ist das jetzt dein Zusammenbruch oder rappelst du dich wieder auf?" Eine Tragödie. Die Heilige Johanna, hier eine einsame Anti-Heldin hadert - in einem Monolog aus sich wiederholenden Worten, um ein und dieselben Gedanken kreisend und festbeißend - mit der Austauschbarkeit und stetigen Fortsetzung der partnerschaftlichen Liebe in unserer Gese...