Direkt zum Hauptbereich

Für den geschmeidigen Auftritt der Politik: Kunst(PR)Aktionen kommunizieren Kindertransporthilfe des Bundes

Mai 2014 und Syrien ist wieder in den Medien. Die Medienagenda mitbestimmen, unterdrückte Themen wieder in den Medien platzieren, das ist Aufgabe der PR von Interessenverbänden. Und Aufgabe der gesellschaftkritischen, politischen Kunst, denn sie hat mehr Mittel und Freiheiten. Sie darf unehrlich sein, die PR muss glaubwürdig bleiben.

Schön, Künstler zu sein und eine atemberaubende, aufwändige Kampage auf die Beine zu stellen, die nicht nur Familienministerin Manuela Schwesig erfolgreich und sympathisch in die Zeitung bringt, sondern auch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit weckt. Als Medium der neuen Art bezeichnet Spiegel-Online-Redakteur Georg Diez die Kunstaktionen des Zentrums für politische Schönheit: "Sie schaffen sich die Nachrichten, die sie gern hätten, gleich selbst".


Kunst meets PR: Kindertransporthilfe des Bundes

Man kommuniziere einfach die erfreuliche Botschaft - mit Hilfe der und in den überregionalen Medien, dass das Familienministerim 50.000 syrische Kinder nach Deutschland bringe. Das Banner zum Auftakt der Aktion mit geklautem Logo des Ministeriums wird ausgerollt, die Website der Kindertransporthilfe www.1aus100.de steht und in Containern werden Aufnahmen aus Syrien gezeigt: Kinder, die sich für die Aktion bei Schwesig bedanken. Blumen zum Dank vor dem Familienministerium. So gut ist Deutschland nun, selbst wurden mit der Kindertransporthilfe 1938/39 viele aus Deutschland gerettet. In den Medien Fotos der freundlichen Ministerin, symapthisch diese Frau, die Pressesprecher des Ministeriums wären aus dem Häuschen, wäre alles echt und ihr Verdienst.

Nach dem Besuch im Bundeskanzeleramt (Link zum Beitrag in ZDF aspekte), bei der das Zentrum für politische Schönheit zwei Gerettete von "damals" anrollen und vorsprechen lässt, resümiert Aktionskünstler Philipp Ruch leise: "Die Bürokraten haben jetzt eine Lehre aus der Geschichte vorgelegt bekommen, und wir hoffen, dass das letzendlich mentale Auswirkungen auf ihren täglichen Alltag in den nächsten Wochen und Monaten."

Nachhaltige Aufmerksamkeit und die Grenzen der Kunst

Aktionen, die verdrängte, vielleicht ungeliebte, lösungsoffene Themen der Politik überspitzt ad absurdum treiben - mit echten Videomaterial aus Syrien, gekoppelt an die Realität der Kinder und in Schlingensief-Manier provokativ auf die Bühne der Öffentlichkeit bringt. Pflegefamilien gesucht: 1 von 100 heißt die Devise, wenn dazu aufgefordert wird im Countdown Kinder aufzunehmen. Klar, gibt es nicht nur die Kinder, auch nicht nur Syrien als Konfliktherd und auch unendlich viel vorgeführtes Leid auf Kosten einer nicht reparablen Realität?
Nein, egal worum es geht und mit welchen Mitteln: Womit die NGOs der Kinderhilfe mittlerweile in die Kritik gerieten (z.B. White Charity in Straßen aus Zucker, 09/2013, S. 13, Unicef versuchte es kürzlich mit einer andersarigen Kampagne), darf die Kunst zu Mitteln der Provokation greifen. Gerne, auch laut.

like it_www.facebook.com/politische.schoenheit
mehr_www.politicalbeauty.de


Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Der Ritter von der traurigen Gestalt und die Illusion des Seins

Ein Anti-Held in einer Gegenwelt, die sich ihr verzaubert gegenüberstellt, und wenn in diesem Theaterprojekt "Quijote. Trip zwischen die Welten" eben die Helden zwar Don heißen aber als Frau, Pferd und Wutbürger, als alles und jeder in Erscheinung treten, sind es wohl wir alle, die tölpelig durch diese Welt (ja, sie ist eine Bühne, Shakespeare!) taumeln, spielen um der Realität zu entfliehen, Rüstungen zur Entfremdung tragen, davon reiten um zu begrenzen und doch wiederkehren, um die Energie wie einen Staffelstab weiterzureichen. Wer geben kann, hat alles. Der Ritter von der traurigen Gestalt will seine eigene Geschichte nicht schließen, die er in Transformation durchquert, die lange noch nicht vorbei ist. Die Liebe ist platonisch und er abstinent, um ihr die Geschichte zu schreiben, von den Heldengeschichten, die keine sind. Etwas sein zu wollen, was man nicht ist. Die Geschichte, das eigene Buch fortzuschreiben, eine Figur zu sein - im Leben. Das Scheitern und unvollko...

Hans, schäme dich!

Er zwingt zu Geduld und akustischer Ausdauer. Hans Unstern und Band schwindelt nicht, er überzieht, wie einmal lang Luftanhalten ist das meditativ-psychedelische Schalgzeugsolo, das den instrumentalen Einstieg von  "Bea criminal"  in das Konzert trommelt. Bei  "Ich schäme mich" , setzt die Stimme klangvoll ein. Die Riesentuba und der Mann hinter den Saiten der Harfe klagt vom Mut, den er doch auch nicht hat und zieht die Stirn unter haarigen Augenbrauen in Runzeln. ".. den großen Streichelzoo im Nacken, mit oder ohne dickem Fell bleiben Ratschläge Schläge und Gitterstäbe Gitterstäbe .. "  Unsterns lebendiges Pseudonym reiht sich als Bandmitglied in die Frontrow, klärt auf, was unverstanden blieb. Sie ist Teil der Band. Kein Schwindel? Und eine erstaunlich bunte Truppe, eine Band, die keine optische Einheit bilden muss, um dem Anspruch der Ausgefallenheit und Vielfalt zu entsprechen, nichts ist gefällig oder nur schön. Der Unstern hat Zöpfe, zwei und ...

Eine helgesker Trommler

Synthie-Sounds, düster bis trashig, rythmisch räumt ein Unaufgeräumter Chris Ilmler seine Drums ab, vertieft in Lyrics auf Plastiktüten, säuselt er Unverständliches ins Microphon, das zum Tanzen bewegt, schiebt Kommentare ein, von der Freude über die Anwesenden, nimmt sich selbst auf die Schippe, schüchtern heroisiert er sich, übertreibt und zieht sich in die Klänge zurück, hochkonzentriert und genau, dabei wirkt er anders. Helegeske Einschübe zu den Gesprächen im Publikum, dem Vermieten des Vermietens wegen, in einem lauten, grinsenden Ausbruch inszeniert er Empfindlichkeit oder einfach nur sich selbst. Am Ende, nach der dritte Zugabe, wie ein Kind, dass nicht vom Spielplatz will, versucht er eine Flucht durch die Bücherwand in den Keller, die misslingt, als fühle er sich so vordergründig auf der Bühne nicht so wohl, oder dann, wenn die Instrumente als Burg und Rüstung nicht mehr da sind, wegfallen, dann schämt auch er sich ein wenig. Es hallt nach: "Ich mache mir Sorgen - um N...