Neo Rauch zeigt Zeichnungen und Plastiken, so phantastisch wie grausam, eine Neo-Märchenwelt vielleicht. Eine stämmige Frau, "Die Jägerin", mittelalterlich trägt sie aber Dock Martins, Männerköpfe entspringen ihrer Brust, ein Adler trohnt wachsam auf ihrer Schulter. Die Mutige ängstigt nicht.
Andreas Gursky hingegen komponiert oder sieht die Struktur in seinen sozialdokumenatrischen Aufnahmen, und vereint darin System und Schönheit. Wenn die Linien im Bild der riesigen Nähfabrik beim Betrachten aus der Nähe zu Stromleitungen für Lampen werden, und die Punkte Frauen in gleich Kleidern und gleichen Abständen zueinander sind, Körbe, Sachen und Nähmaschinen, eine feste Struktur der Einheitlichkeit, die sie dort für die westlichen Welt ins konformer Markenmode wohl auch produzieren.
Oder in der Ansicht des Bergwerks, bunt blitzen Gegenstände zwischen dem Schwarz auf, das wenige Hab und Gut für die Pause, Sachen zum Umkleiden, Pausenbrote in Brotbüchsen hägen an Ketten nebeneinander, platzkomprimiert und sicher aufgereiht. Ich stelle mir das Rasseln vor, wenn die Schicht im Bergwerk beendet ist. Die Schwarzen vorkommen.
Beide, Rauch und Gusrky, verschmelzen in den Foto-Collagen, in denen Gursky Rauchs Werk ins Musuem bringt - und Irritationen wie den eingegipsten Akt im Hintergrund, die Opfer, die man im Hintergrund bringt, die Blutlache davor, die Nackte, die der Kunst den Rücken zudreht und die verwahrloste Frau mit den Lidl-Tüten, die durch's Fenster schaut und die unerreichbare oder ausgeschlossene Zielgruppe meint.
Überraschend aber war dann noch die Malerei der Dana Schutz im Obergschoss der Kerstner Gesellschaft Hannover, die popigen, pastelligen Ansichten, an Buch-Illustrationen erinnert, wirken erst beliebig und collagig - und offenbaren dann Traurigkeit, Selbstverletzung und Blindheit, wie sich in "Shaving" ein weiblicher Körper die Scham bis zur Unkenntlichkeit wegrasiert. Oder wie in "Ocular" ein Mädchen mit schmalen Lippen versucht die Augen zu öffnen, ein herbstlicher Flockenschnee umweht sie, aber hinter den Lidern, kreisrund wie Brillengläser oder augapfelgroße Linsen verbergen sich nur rote Hohlräume, sie kann nicht sehen.
Wieviel Welt verkörpert Kunst, was erreicht sie und vor allem, wen erreicht sie, wenn Sie der Entschlüsselung und das Überwinden von Hürden bedarf? Einblicke in verschlossene Blicke.
Rezensionen zu den Ausstellungen:
http://www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Ausstellungen/Neo-Rauch-Andreas-Gursky-Jeff-Wall-und-Dana-Schutz-in-der-Kestnergesellschaft
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/gursky-rauch-und-wall-in-hannover-superman-bei-den-dicken-erdfrauen-13063138.html
http://www.art-magazin.de/kunst/74427/dana_schutz_hannover
Andreas Gursky hingegen komponiert oder sieht die Struktur in seinen sozialdokumenatrischen Aufnahmen, und vereint darin System und Schönheit. Wenn die Linien im Bild der riesigen Nähfabrik beim Betrachten aus der Nähe zu Stromleitungen für Lampen werden, und die Punkte Frauen in gleich Kleidern und gleichen Abständen zueinander sind, Körbe, Sachen und Nähmaschinen, eine feste Struktur der Einheitlichkeit, die sie dort für die westlichen Welt ins konformer Markenmode wohl auch produzieren.
Oder in der Ansicht des Bergwerks, bunt blitzen Gegenstände zwischen dem Schwarz auf, das wenige Hab und Gut für die Pause, Sachen zum Umkleiden, Pausenbrote in Brotbüchsen hägen an Ketten nebeneinander, platzkomprimiert und sicher aufgereiht. Ich stelle mir das Rasseln vor, wenn die Schicht im Bergwerk beendet ist. Die Schwarzen vorkommen.
Beide, Rauch und Gusrky, verschmelzen in den Foto-Collagen, in denen Gursky Rauchs Werk ins Musuem bringt - und Irritationen wie den eingegipsten Akt im Hintergrund, die Opfer, die man im Hintergrund bringt, die Blutlache davor, die Nackte, die der Kunst den Rücken zudreht und die verwahrloste Frau mit den Lidl-Tüten, die durch's Fenster schaut und die unerreichbare oder ausgeschlossene Zielgruppe meint.
Überraschend aber war dann noch die Malerei der Dana Schutz im Obergschoss der Kerstner Gesellschaft Hannover, die popigen, pastelligen Ansichten, an Buch-Illustrationen erinnert, wirken erst beliebig und collagig - und offenbaren dann Traurigkeit, Selbstverletzung und Blindheit, wie sich in "Shaving" ein weiblicher Körper die Scham bis zur Unkenntlichkeit wegrasiert. Oder wie in "Ocular" ein Mädchen mit schmalen Lippen versucht die Augen zu öffnen, ein herbstlicher Flockenschnee umweht sie, aber hinter den Lidern, kreisrund wie Brillengläser oder augapfelgroße Linsen verbergen sich nur rote Hohlräume, sie kann nicht sehen.
Wieviel Welt verkörpert Kunst, was erreicht sie und vor allem, wen erreicht sie, wenn Sie der Entschlüsselung und das Überwinden von Hürden bedarf? Einblicke in verschlossene Blicke.
Rezensionen zu den Ausstellungen:
http://www.haz.de/Nachrichten/Kultur/Ausstellungen/Neo-Rauch-Andreas-Gursky-Jeff-Wall-und-Dana-Schutz-in-der-Kestnergesellschaft
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst/gursky-rauch-und-wall-in-hannover-superman-bei-den-dicken-erdfrauen-13063138.html
http://www.art-magazin.de/kunst/74427/dana_schutz_hannover
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