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Vom Glaube an den Abgrund

Marianne, Sarah, Meret: Die drei Frauen treffen aufeinander in einer Klinik am Waldesrand. Unter Krankenschwestern gibt es zwei Lager, zwei professionelle Haltungen, wie man den Patienten und ihrem Gesundheitszustand am besten begegnet: mit Apathie oder mit Empathie. 
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Zarte Fäden und der Duft von Birnen

Zwei Frauen treffen sich am Ortsrand, zwischen Acker und Graben. Eine noch jung und der Problembewältigung in der Klinik entflohen, oder den Menschen. Eine allein, schwer hebend, etwas schweres Unbekanntes tragend. 

Gefühlsstärke 17: Wind im Herzen

Caroline Wahls „Windstärke 17“ nimmt mich mit. Nach Hamburg, Rügen, Berlin. In die Seele der erwachsen gewordenen Ida. Die kleine Schwester lässt tief blicken in ihr Innenleben. Tiefer als ihre große Schwester Tilda in „22 Bahnen“, die eher rational und zwanghaft tickt. Ist mir die Kleine näher? 

„Wenn ich aufwache, ist das Problem gelöst“

Julia Schochs „Das Vorkommnis“ (2022, dtv) ist der erste Teil der Biografie einer Frau. „Wild nach einem wildem Traum“ hatte mich eigentlich angesprochen. Dann dachte ich aber: lieber am Anfang beginnen. Fixiert auf das Thema DDR im Klappentext. Worum es geht? So genau weiß ich es nicht. Eine Frau, die Lesung und die Begegnung mit der bis dato unbekannten Halbschwester. Auf wenige Worte und eine ungelenke Umarmung folgt dieses Buch, das Schoch wegen der Halbschwester schreibt. Aber man erfährt wenig über sie, die Familie, die DDR; mehr über ihr Leben mit dem Mann, dem älteren und dem jüngeren Kind. Die große Distanz zwischen ihnen, allen. Den Reiz des Neuen spürt man leise. Ein kurzes Ringen mit dem Misstrauen. Ihr Mann, die Liebe, die Leere. Der räumliche Abstand. Am Ende sei es gar nicht so oder zumindest nicht ganz so gewesen: Das erste Buch über die richtige Schwester. Über das Ausharren, Durchhalten und Luft anhalten Ich dachte: Gemessen an den damaligen Straßenverhältnissen, den ...

Chor der Enge

Klaustrophobisch, abgeschnitten: Die 5 Kammern der Töchter liegen wie Waben nebeneinander, nur dort enthüllt sich Leben. Sie sind ihrer Freiheit und Feminität beraubt. In „Bernarda Albas Haus“ unter Regie von Katie Mitchell am Schauspielhaus Hamburg fühlt man den Schmerz, den lauten und den leisen, der Frauen. Ihre Gespräche kippen ineinander. Ein Chor der Enge. Die Bedrohung bleibt draußen, lauert im Hof und Licht der Laterne. Oder war es die Leidenschaft? Hinter dem eisernen Vorhang, der zu Boden fällt, wird alles still. Er trennt. Der Saal wird ins Schwarze getaucht. Selten war es so drückend einsam. Wunderbare Inszenierung und eindrucksvolles Bühnenbild (Alex Eales). Zurecht ist das Stück dieses Jahr zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Mehr: https://schauspielhaus.de/stuecke/bernarda-albas-haus

Emilia und Orsina

Weiblichkeit im Reifrock, in die Enge gestaucht, gefangen. Leise, unsichtbar, sprachlos taumelt sie durchs mint-grüne Bühnenbild aus Mauern. Wartepositionen. Alle reden über sie. Der Graf, der Prinz, die Eltern, der Maler, gar die Gräfin auch. Emilia Galotti kommt im Grunde nur einmal zu Wort im Stück von Anne Lenk am Thalia Theater Hamburg. Wer reißt wen: ER, ER, ER. Was ist mit ihrer Sinnlichkeit, ihrer leisen Lust, ihren Gefühlen. Sie wird laut, wütend. Nur einmal. In ihrer Trennungsaggression gegenüber den Eltern. Destruktiv, aggressiv, aufbegehrend.  Maria Schöne spielt sie beide: die Galotti und die Gräfin, die brave  und die denkende Frau. Fühlen wollen sie. Ich hatte mehr Emilia erwartet, gesucht, doch im 18. Jahrhundert, in dem Lessing das Trauerspiel schrieb, hatten die Frauen keine Stimme und wenig Raum. https://www.thalia-theater.de/stueck/emilia-galotti-2023

In Schopenhauer baden

Irvin D. Yaloms „Schopenhauer-Kur“ (2009, btb) ist ein “seltsame Mischung aus Roman, Psychobiografie und Psychotherapie-Pädagogik”. Der Therapeut Dr. Julius Hertzfeld erhält eine tödliche Diagnose. Vielleicht in der Absicht, etwas abschließend klären oder versöhnen zu wollen, kontaktiert er einige seiner ehemaligen Patienten. Den sexsüchtigen Philip Slate findet er Jahre nach der Therapie verändert vor: kontrolliert, nicht mehr im Labor, sondern als philosophischer Berater tätig, auf dem Weg Psychotherapeut zu werden. Die Therapie bei Hertzfeld habe ihm nichts gebracht, erzählt er direkt beim ersten Wiedersehen. Erst Schopenhauers Werk versprach ihm einen Weg der Linderung und Veränderung. Nun brauchen sich beide nochmal. Der eine die Supervision für die therapeutische Zulassung, der andere die letzte Auseinandersetzung mit dem Unvollendeten. Auch Schopenhauer nimmt Platz Julius, Philip, Pam, Bonnie, Gill, Stuart, Tony und Rebecca sitzen im Stuhlkreis. Auch Schopenhauer nimmt zeitweise...