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Es werden Posts vom 2015 angezeigt.

Leinwand-Dramen und böse Malerei

In der Ausstellung "Malerei, böse" im Kunstverein in Hamburg werden  Birgit Brenners installativen Arbeiten, Lydia Balkes düstere Portraits von Straftätern, Berhard Martins schillernden Bilder von Party- und Drogenexzessen und ein ganzer Zyklus von Martin Eders Heldinnen dargestellt. In Martins aufregenden Malereien vermengen sich Milleu, Verfall, Glamour und Fetisch - das Böse  verschwindet geschickt unter Glitzer und Nacktheit. Eder vermischt - kitschig wie ihm gebührt - Mythen und Hollywoodschönheiten in den Portraits seiner unschuldig wirkenden, teils schlafenden Kriegerinnen, die Waffen tragen - bringt damit Unberührtheit und Kampf zueinander. Diese Ausstellung geht unter die Haut, berührt, in dem sie kaum eine Facette der bedrohlichen Gesellschaft auslässt. Ich bin dort wieder auf Birgit Brenner gestoßen. Lydia Balkes Werke in der Ausstellung "Malerie, böse" im Kunstverein Hamburg

Wenn das Wasser kommt ... konzentriere ich mich auf das Zählen

"Die Quersumme von Liebe" von Katrin Zipse ist ein Jugendroman über eine junge, aufkeimende Liebe zwischen Luzie und Puma. Im Wechsel zeigen die beiden fast Volljährigen ihren Blick auf das Geschehen. Es ist Luzies eigene "Geschichte", die sie da an einem seltsamen Ort der Verlassenheit niederschreibt. An einem Punkt in ihrer Vergangenheit hat sie sich verloren. Und es ist Puma, der sie sucht - und feststellt, dass er sie liebt - und ahnt, dass sie eine düstere Verbindung haben. Innerhalb weniger Tage taucht man Luzies kleine Welt ein, die auf einem Zahlensystem fundiert, bei der die Quersumme jedes Tages Gewissheit darüber gibt, wie schlimm die Zukunft wird. Tag 3340: Es hätte ein guter Tag werden müssen Ihre Welt gerät am Tag 3340 ins Wanken, als sie die Todesanzeige ihrer längst verstorben geglaubten Großmutter im Papiermüll findet. Luzie begibt sich auf die Suche nach einer Antwort. Erst sucht sie die Trauerfeier auf. Dann begibt sie sich auf den Weg in di...

St. Pauli Tristesse

Bonjour Tristesse , Francois Sagans Roman von 1954 über den Verfall vom Überfluss wird im St. Pauli Theater Hamburg uraufgeführt. Das knarksende Haus mit den Holztribünen und dem Toiletten-Geruch neben der Bühne ist eine Premiere für mich. Im Scheinwerferlicht posieren Langbeinige, Rotköpfige, Wendehälse, torkeln Ewigjunge und Sonnentrunkene. Das Schauspiel von Dania Hohmann erheitert, geht aber nicht nah, ist eher rührend als berührend. Das ist es wohl: das Lebensgefühl der Generation, die gesättigt und leer ist, sich nicht spürt, von der Bonjour Trisstesse handelt. Raymond (Uwe Bohm) und dessen 17-jährige Tochter Cécile (Josephin Busch) leben ein Leben voller Leichtigkeit, ein inniges und intensives Zweiergespann, zu dem sich periodisch andere, nahezu gleichaltrige Frauen gesellen. Im Sommer verlassen sie Paris und fahren ans Meer. Sie bewegen sich meist zwischen Lust, Exzess und Taubheit und  ".. waren erfüllt von Dingen, die wir nicht sagten, von heimlicher Furcht und von Gl...

Über die Schulter Berlins: eine fast belanglose Nacht

An einem Abend mit Victoria  bleibt niemand nur Zuschauer. Ein naher Blick streicht über die Schulter der Spanierin und man taucht leise ein - in eine Berliner Nacht. Unterlegt mit einer Tonspur authentischen Geplappers. Zuerst. So beiläufig wie der Filmabend beginnt, mündet er in einen ausgewöhnlich exzessiven Abend. Der Morgen danach gleicht einem Katergefühl mit Albtraumbeigeschmack. In Echtzeit ohne Schnitt zuckte Sebastian Schipper s Film über die Leinwand. Ausgezeichnet . In die Rolle eines stimmlosen Passanten versetzt, verfolgt man erst die belanglosen Gespräche inmitten einer Partynacht. Sonne, Boxer, Blinker und Fuß sind gerade aus dem Berliner Club rausgeworfen worden, als die spanische Victoria sich  mit dem Rad auf den Heimweg machen will. Die Jungs sind einfach sympathisch, waschechte Berliner eben. "Nichts hier mit zugezogen", scherzen sie in drunken English, eine eigene Sprache. Sie jobbt in einem Café, kennt kaum Leute. Erst recht keine Berliner. Sie fo...

Tim Steiner / Wim Delavoye: Weder Haut noch Nadel

Tim - Wim Delavoyes Kunstwerk - spricht, heute erzählt er uns seine Geschichte. Er hat ein Tattoo auf dem Rücken, eine schnell getroffene Entscheidung und einige Stunden Schmerz. Nicht das Motiv ist nun Kunst, er selbst ist damit zum Konzept-Kunstwerk geworden. Der belgische Künstler Wim Delavoyes hatte bereits das Schwein Donata tätowiert. Nun ist Tim Steiner der erste Mensch und das erste lebendige Kunstwerk. Mit Kunst auf dem Rücken, einem verkauften Rücken oder eben dem Konzept einer Kopie eines Schweinerückens.   Wenige von ihnen können so eindrucksvoll von den Mechanismen und Fügungen des Kunstmarkts erzählen. Mit den Führungen begann er in seiner Ausstellungszeit in Tansania. Es war eine Möglichkeit das Schweigen des Objekts zu überwinden und die Kontrolle an sich zu reißen. Tim Steiner lässt keinen Raum für Fragen, an diesem sonnigen Hamburger Nachmittag, in der Kantine des Museums für Kunst und Gewerbe . Ein exklusives Gespräch. Wie es ist, stundenlang zu sitz...

Wenn uns das Wasser bis zum Halse steht

Winnie steckt fest, knietief im Dispo oder hüfttief in der Suppe des Lebens, sie rührt mit der Zunge einen Monolog der Nichtigkeit in die Luft, sie tröstet sich mit Kleinigkeiten. Gute Tage sind die, an denen etwas Kleines passiert. Wenn ihr Mann mal wieder mit ihr spricht. Am Schauspielhaus ertrinkt Samuel Becketts Paar aus  "Glückliche Tage"  in der ansteigenden Flut, nicht im Treibsand und wir schauenden einen symbiotisches Gespann von Mann und Frau, Frauchen und Hund, Herr und Knecht zu: mehr_ http://www.schauspielhaus.de/de_DE/kalender/glueckliche_tage.12288310

Sanatorium der Kapitulation

Die Physiker - am Schaupielhaus Hamburg, Foto: Sandra Then Zwei, drei großartige Physiker im Sanatorium der Kapitulation oder Isolation gegen gefährliche Gedanken. Möbius (Markus John), Einstein (Yorck Dippe) und Newton (Paul Herwig) tanzen durch die Physiker-Villa und es ist unklar, wer hier eigentlich wirklich spinnt. Wer mordet, wieso die geliebten Schwestern. Wer schützt wen vor wem? Zwischen James-Bond-Einlagen und Teenie-Popsongs entscheidet in Dürrenmatts Komödie das Irrenhaus über das Schicksal der Welt, die Anja Lais als Anstaltschefin eindrucksvoll verkörpert.   mehr_ http://schauspielhaus.de/de_…/malender/die_physiker.13044571

Warmer Abend, unruhige Tiere

Es wird ein warmer Abend sein. Erwachsen. Eco favela Soli-Konzert ... für Kunstfreiheit und Menschenrechte. Und die Musik wirbelt uns durch Watte, in der Hamburger Kulturfabrik läuft Kantes Zuckerfabrik. Nach dem Ausflug in die Theaterwelt, spielende Gedanken und vertonte Philosophen ... Rückblick auf Weltuntergangsphantasien in erwachsendem Publikum: "Die Tiere sind unruhig", das erste Mal live für mich. Dann berühren sie mit dem schroffen Marlene Dietrich Cover zum Glücklich und traurig sein. Wenn ich mir was wünschen dürfte, Möchte ich etwas glücklich sein, Denn wenn ich gar zu glücklich wär' Hätt' ich Heimweh nach dem Traurigsein .. https://vimeo.com/110937341

"Entweder Depression oder Langeweile"

"Das ist von einer Tristesse, die ich nicht erwartet hätte..." Heinz Strunk und Manuel Möglich stehen in Harburg vor einem Einkaufszentrum, der Pro-Markt der Jugend ist verschwunden. "Die Erinnerung hat ja die angenehme Angewohnheit, dass sie schöner ist als sie wirklich war. Das ist ein Selbstschutz der Seele, sonst könnte man sie gar nicht ertragen." mehr_ http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/1989740/Heimw%C3%A4rts-mit-Heinz-Strunk