Weiblichkeit im Reifrock, in die Enge gestaucht, gefangen. Leise, unsichtbar, sprachlos taumelt sie durchs mint-grüne Bühnenbild aus Mauern. Wartepositionen. Alle reden über sie. Der Graf, der Prinz, die Eltern, der Maler, gar die Gräfin auch. Emilia Galotti kommt im Grunde nur einmal zu Wort im Stück von Anne Lenk am Thalia Theater Hamburg. Wer reißt wen: ER, ER, ER. Was ist mit ihrer Sinnlichkeit, ihrer leisen Lust, ihren Gefühlen. Sie wird laut, wütend. Nur einmal. In ihrer Trennungsaggression gegenüber den Eltern. Destruktiv, aggressiv, aufbegehrend.
Maria Schöne spielt sie beide: die Galotti und die Gräfin, die brave und die denkende Frau. Fühlen wollen sie. Ich hatte mehr Emilia erwartet, gesucht, doch im 18. Jahrhundert, in dem Lessing das Trauerspiel schrieb, hatten die Frauen keine Stimme und wenig Raum.
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