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Ferne Väter

"Das ist schnell gelesen", legt mir eine Freundin "Töchter" (2018 Rowohlt) von Lucy Fricke auf den Tisch. Unbedeutend, denke ich, wenig Tiefe vielleicht. Doch es ist anders: düster und humorvoll zugleich.



Ich wandere mit der Ich-Erzählerin Betty nach Italien, in die leeren kalten Kathedralen und das Pantheon in Rom. Dann ist sie auf Zuruf ihrer Freundin Martha wieder in den schmutzigen Straßen Berlins.
Ich finanzierte mich, indem ich aus der Stadt verschwand. Brauchte ich Geld, fuhr ich weg, in Gegenden, die billiger waren als diese, und davon gab es jede Menge.

Zwischen Altwerden, Alkoholexzess und Fehlgeburten treffen sie sich wieder, um sich auf den Weg zu ihren Vätern zu begeben. Betty, gerade zurück, vom Versuch, das Grab ihres verstorbenen Vaters zu finden. "Du hast so viele Väter, dass ich gar nicht nie weiß, von welchem du sprichst." Martha übertreibt. Sie wird von ihrem Vater gebeten, ihn auf seiner letzten Fahrt zu begleiten. "Das Dumme ist, dass er meine Hilfe dazu braucht. Gestern Morgen ruft er an und erzählt irgendwas von alles geregelt und so. Ich habe jetzt alles eingetütet, sagt er, ich habe grünes Licht. Er kommt mir mit Püppi und: Eine letzte Bitte. Und: Das kannst du doch deinem kranken Vater nicht abschlagen. Ich meine klar, wer kann schon eine letzte Bitte abschlagen. Danach ist wenigstens Schluss."

Es geht in die Schweiz. Betty fährt. Und er will sterben. Es folgt ein Road Trip mit dem rostigen Auto des Vaters, ihn freudig rauchend und röchelnd auf der Rückbank, und eine Reise mit Raststätten-Bockwürsten, der wiederbelebende Liebe und Überraschungen. Und einem oder mehreren Vätern - von zwei Töchtern.
Wir waren die Töchter von Vätern, die erst im Ruhestand, die Zeit fanden, mit uns zu reden. Wir erklärten ihnen das Internet und sie uns das Wetter. Die Liebe kam so spät, dass wir kaum noch etwas anfangen konnten damit.

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