In der Ausstellung "Malerei, böse" im Kunstverein in Hamburg werden Birgit Brenners installativen Arbeiten, Lydia Balkes düstere Portraits von Straftätern, Berhard Martins
schillernden Bilder von Party- und Drogenexzessen und ein ganzer Zyklus von Martin Eders Heldinnen dargestellt. In Martins aufregenden Malereien vermengen sich Milleu,
Verfall, Glamour und Fetisch - das Böse verschwindet geschickt unter Glitzer und
Nacktheit. Eder vermischt - kitschig wie ihm gebührt - Mythen und
Hollywoodschönheiten in den Portraits seiner unschuldig wirkenden, teils
schlafenden Kriegerinnen, die Waffen tragen - bringt damit Unberührtheit und
Kampf zueinander. Diese Ausstellung geht unter die
Haut, berührt, in dem sie kaum eine Facette der bedrohlichen
Gesellschaft auslässt. Ich bin dort wieder auf Birgit Brenner gestoßen.
Ich traf sie überraschend wieder. Ein Zyklus von Punkt-Strich-Körper-Variationen einer unbekannten Selfie-Heldin. Gleich im Erdgeschoss. Ihr Name stand klein auf dem Schild neben ihren Werken. Beinahe hätte ich sie übersehen. Birgit Brenner. Mein Herz sprang neugierig auf. Ich habe zurückgerechnet: Vor 10 Jahren stieß ich zum ersten Mal auf ihre Arbeiten. Beim Rundgang auf dem Leipziger Baumwollspinnerei-Gelände in der Galerie Eigen + Art, die sie bis heute vertritt. Brenner hatte ganze Drehbücher an die Wand gestellt, deren Kombination aus großformatigen Fotografien, Objekten aus Holz und dosierten Sprechblasen ein Stillleben formte, das leise zum Betrachter sprach. Wie ein Film ohne Ton. "Die besten Jahre" handelten 2005 von einem Paar in einem Hotelzimmer, in dem ein Fernseher rauscht. "Die Zigarette in der Hand schiebt er die Gardine zur Seite. Der Stoff ist vergilbt vom Rauch. Die Fensterscheiben sind vom Regen nass. Man sieht alles verschwommen." Anspannung, die dabei so beiläufig erscheint - und diese Beobachtung sind es sicher auch, sie begleiten Expolsionen und Geiselnahmen.
Auch 2015 beschäftigt sich Brenner mit der Expolsivität unserer Zeit: Bomben, Attentate und Terror. Ihre beiden großformtigen Werke in der Ausstellung "Malerei, böse" zeigen Zerschmettertes, Ausradiertes, Verschwundenes ... im Zentrum springt dem Betrachter die Leere entgegen. Dreidimensional bekommen ihre Werke, in denen sie Schichten aus Sperrholz, Karton und Acryl übereinander legt, eine Sprengkraft die der Spannung unserer Zeit entsprechen: der Sportwagen steht symbolisch für das bedrohte Eigentum, vielleicht auch eine Gegenüberstellung materieller und ideeler Werte, wenn der Besitz wegfällt: Ich liebe mein Eigentum. Ein Flieger da, umgelenkt, entführt, fehlgesteuert. Auslassen und Zersplittern könnte ihr Motiv sein. Ausradiert, Werbung, Dinge, Namen ... überhaupt scheint die Schrift zu schwinden ... pastell überlagete Worte deuten auf Spuren des Terrors, auf den ersten Blick es noch verspielt, alles Weiß auf Weiß. Bis man sieht, dass etwas fehlt.
| Lydia Balkes Werke in der Ausstellung "Malerie, böse" im Kunstverein Hamburg |
Ich traf sie überraschend wieder. Ein Zyklus von Punkt-Strich-Körper-Variationen einer unbekannten Selfie-Heldin. Gleich im Erdgeschoss. Ihr Name stand klein auf dem Schild neben ihren Werken. Beinahe hätte ich sie übersehen. Birgit Brenner. Mein Herz sprang neugierig auf. Ich habe zurückgerechnet: Vor 10 Jahren stieß ich zum ersten Mal auf ihre Arbeiten. Beim Rundgang auf dem Leipziger Baumwollspinnerei-Gelände in der Galerie Eigen + Art, die sie bis heute vertritt. Brenner hatte ganze Drehbücher an die Wand gestellt, deren Kombination aus großformatigen Fotografien, Objekten aus Holz und dosierten Sprechblasen ein Stillleben formte, das leise zum Betrachter sprach. Wie ein Film ohne Ton. "Die besten Jahre" handelten 2005 von einem Paar in einem Hotelzimmer, in dem ein Fernseher rauscht. "Die Zigarette in der Hand schiebt er die Gardine zur Seite. Der Stoff ist vergilbt vom Rauch. Die Fensterscheiben sind vom Regen nass. Man sieht alles verschwommen." Anspannung, die dabei so beiläufig erscheint - und diese Beobachtung sind es sicher auch, sie begleiten Expolsionen und Geiselnahmen.
Auch 2015 beschäftigt sich Brenner mit der Expolsivität unserer Zeit: Bomben, Attentate und Terror. Ihre beiden großformtigen Werke in der Ausstellung "Malerei, böse" zeigen Zerschmettertes, Ausradiertes, Verschwundenes ... im Zentrum springt dem Betrachter die Leere entgegen. Dreidimensional bekommen ihre Werke, in denen sie Schichten aus Sperrholz, Karton und Acryl übereinander legt, eine Sprengkraft die der Spannung unserer Zeit entsprechen: der Sportwagen steht symbolisch für das bedrohte Eigentum, vielleicht auch eine Gegenüberstellung materieller und ideeler Werte, wenn der Besitz wegfällt: Ich liebe mein Eigentum. Ein Flieger da, umgelenkt, entführt, fehlgesteuert. Auslassen und Zersplittern könnte ihr Motiv sein. Ausradiert, Werbung, Dinge, Namen ... überhaupt scheint die Schrift zu schwinden ... pastell überlagete Worte deuten auf Spuren des Terrors, auf den ersten Blick es noch verspielt, alles Weiß auf Weiß. Bis man sieht, dass etwas fehlt.
| "Ich liebe mein Eigentüner", 2015, Birgit Brenner |
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