Tim - Wim Delavoyes Kunstwerk - spricht, heute erzählt er uns seine Geschichte. Er hat ein Tattoo auf dem Rücken, eine schnell getroffene Entscheidung und einige Stunden Schmerz. Nicht das Motiv ist nun Kunst, er selbst ist damit zum Konzept-Kunstwerk geworden. Der belgische Künstler Wim Delavoyes hatte bereits das Schwein Donata tätowiert. Nun ist Tim Steiner der erste Mensch und das erste lebendige Kunstwerk. Mit Kunst auf dem Rücken, einem verkauften Rücken oder eben dem Konzept einer Kopie eines Schweinerückens.
Wenige von ihnen können so eindrucksvoll von den Mechanismen und Fügungen des Kunstmarkts erzählen. Mit den Führungen begann er in seiner Ausstellungszeit in Tansania. Es war eine Möglichkeit das Schweigen des Objekts zu überwinden und die Kontrolle an sich zu reißen. Tim Steiner lässt keinen Raum für Fragen, an diesem sonnigen Hamburger Nachmittag, in der Kantine des Museums für Kunst und Gewerbe. Ein exklusives Gespräch.
Wie es ist, stundenlang zu sitzen, den Rücken ausstellend gegen die Wand zu starren - und Bewertungen über sich ergehen zu lassen? Hinterm Rücken reden die erstaunten Besucher, ungeachtet seiner Anwesenheit. Ist er echt? Objekt oder Individuum? Tim Steiner schirmt sich ab, er hört Musik, Metal und konzentriert sich beispielsweise auf einen Punkt auf einer Lamelle der Jallousie, wenn er einen findet. Einige Stunden und Tage kann er das durchhalten. Er hat Ja gesagt, als die Galerie anfragte, dann der Künstler Delavoyes, dann der Tätowierer, dann der Sammler Rik Reinking, dann das Museum. Kunst werden, angeboten - verkauft - ausgestellt.
Ein bißchen ist Tim Steiner wie der Lucky von Pozzo in Samuel Beckets Warten auf Godot, eine Spielfigur, einer zum Vorzeigen und Vorspielen, ein Gequälter. Und quält er sich? Tim Steiner erzählt von Momenten der Verehrung, Bewunderung und Ruhm, von Extremen und Exzessen, Einblicken und Zugang in die Kunstwelt, ohne dass er dazugehörte oder gehören wollte. Man schubste ihn hinein oder er stolperte hinein. Er jobbte, mal in der Galerie und mal im Tattoo-Studio, beides verschiedene Welten. Beides nicht seine. So wenig seins wie die Eltern-Elite in Zürich oder die angestrebte Offizierslaufbahn. Seitdem schwankt er im Kosmos zwischen Kunst- und Tattoo-Welt, ohne wirklicher Teil der Szenen geworden zu sein. Tim ist die Nadel in der Haut, er ist nicht der Tätowierer, nicht der Künstler, nicht der Handwerker - er ist irgendetwas Greifbares dazwischen.
Das Gespräch lies keinen Raum für Fragen, die Zeit verflogen als die Geschichte erzählt war. Fragen bleiben, vielleicht kreisen sie in ihm,
Wie es ist, ein Objekt zu sein, sich auszuziehen und sich zur Schau stellen, wie etwas Materielles, ein Ding, wie Fleisch?
Wie es ist, ein Eigenleben zu haben, aber keine eigenständige künstlerische Identität?
Wie es ist, sich selbst vermarkten zu können, aber selbst nur als PR-Clou vermarktet zu werden?
Wie es ist, wenn die anderen den Ruhm ernten?
Wie es ist, ein mit Wert beziffertes Kunstwerk zu sein und doch kein unendlichen Profit daran zu haben?
Wie es ist, ein Kunstwerk zu sein, dass man selbst nur im Spiegel sehen würde, nie sieht?
Seine Geschichte erzählt er immer wieder, er hat sie perfektioniert. Es gibt sicher eine authentische Vollversion, aber sie ist privat. Er leert sein Bier, setzt seine Mütze auf und geht in den Ausstellungsraum. Auf seinen Sockel.
mehr_http://wimtimskin.com/
Wenige von ihnen können so eindrucksvoll von den Mechanismen und Fügungen des Kunstmarkts erzählen. Mit den Führungen begann er in seiner Ausstellungszeit in Tansania. Es war eine Möglichkeit das Schweigen des Objekts zu überwinden und die Kontrolle an sich zu reißen. Tim Steiner lässt keinen Raum für Fragen, an diesem sonnigen Hamburger Nachmittag, in der Kantine des Museums für Kunst und Gewerbe. Ein exklusives Gespräch.
Wie es ist, stundenlang zu sitzen, den Rücken ausstellend gegen die Wand zu starren - und Bewertungen über sich ergehen zu lassen? Hinterm Rücken reden die erstaunten Besucher, ungeachtet seiner Anwesenheit. Ist er echt? Objekt oder Individuum? Tim Steiner schirmt sich ab, er hört Musik, Metal und konzentriert sich beispielsweise auf einen Punkt auf einer Lamelle der Jallousie, wenn er einen findet. Einige Stunden und Tage kann er das durchhalten. Er hat Ja gesagt, als die Galerie anfragte, dann der Künstler Delavoyes, dann der Tätowierer, dann der Sammler Rik Reinking, dann das Museum. Kunst werden, angeboten - verkauft - ausgestellt.
Ein bißchen ist Tim Steiner wie der Lucky von Pozzo in Samuel Beckets Warten auf Godot, eine Spielfigur, einer zum Vorzeigen und Vorspielen, ein Gequälter. Und quält er sich? Tim Steiner erzählt von Momenten der Verehrung, Bewunderung und Ruhm, von Extremen und Exzessen, Einblicken und Zugang in die Kunstwelt, ohne dass er dazugehörte oder gehören wollte. Man schubste ihn hinein oder er stolperte hinein. Er jobbte, mal in der Galerie und mal im Tattoo-Studio, beides verschiedene Welten. Beides nicht seine. So wenig seins wie die Eltern-Elite in Zürich oder die angestrebte Offizierslaufbahn. Seitdem schwankt er im Kosmos zwischen Kunst- und Tattoo-Welt, ohne wirklicher Teil der Szenen geworden zu sein. Tim ist die Nadel in der Haut, er ist nicht der Tätowierer, nicht der Künstler, nicht der Handwerker - er ist irgendetwas Greifbares dazwischen.
"I was at the Venice Biennale this year with my good friend Sam. We went to Wim’s ‘Torre’ opening at Peggy Guggenheim’s place, which was very nice. Many important people, vino, prosciutto, everything perfect and exciting. I was invisible. Then Wim asked me to show the tattoo to a friend and within seconds I was the center of attention. I was hoarded. Tattoo gone, attention gone. That bothered me at first, but now I’m really happy that WimTim only exists when the artwork is visible. Like Clark Kent and Superman. This transformation has often turned me from zero to hero to zero. It’s so funny. Mr. Warhol’s 15 minutes have turned into 15 seconds." (2009, http://wimtimskin.com/2009/11/17/tatowierte-schweinegrippe/)"Tim!" - schreit eine Gruppe Asiaten auf als sie ihn entdecken. "Irgendwann habe ich verstanden, dass die nicht mich meinen. Ich bin nicht der Künstler." Tim Steiner ist ein Kunstwerk, ein lebendiges. Wenn das sichtbar wird, er den Rücken zeigt, umweht ihn dieser Hauch Ruhm. So etwas wie einen Streetart-Künstler, dessen Gesicht nie jemand zu sehen bekommt, dessen Werk aber im urbanen Raum allgegenwärtig ist. Kunst mit Körper. Marina Abramovic stellt sich in ihren Performaces zur Verfügung (The artist is present, 512 hours). An das körperliche Zurverfügungstellen der Kunst, an das Aushalten, den Schmerz, den Kontakt, den fehlenden Rückzug ... erinnert WimTim.
Das Gespräch lies keinen Raum für Fragen, die Zeit verflogen als die Geschichte erzählt war. Fragen bleiben, vielleicht kreisen sie in ihm,
Wie es ist, ein Objekt zu sein, sich auszuziehen und sich zur Schau stellen, wie etwas Materielles, ein Ding, wie Fleisch?
Wie es ist, ein Eigenleben zu haben, aber keine eigenständige künstlerische Identität?
Wie es ist, sich selbst vermarkten zu können, aber selbst nur als PR-Clou vermarktet zu werden?
Wie es ist, wenn die anderen den Ruhm ernten?
Wie es ist, ein mit Wert beziffertes Kunstwerk zu sein und doch kein unendlichen Profit daran zu haben?
Wie es ist, ein Kunstwerk zu sein, dass man selbst nur im Spiegel sehen würde, nie sieht?
Seine Geschichte erzählt er immer wieder, er hat sie perfektioniert. Es gibt sicher eine authentische Vollversion, aber sie ist privat. Er leert sein Bier, setzt seine Mütze auf und geht in den Ausstellungsraum. Auf seinen Sockel.
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