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Über die Schulter Berlins: eine fast belanglose Nacht

An einem Abend mit Victoria bleibt niemand nur Zuschauer. Ein naher Blick streicht über die Schulter der Spanierin und man taucht leise ein - in eine Berliner Nacht. Unterlegt mit einer Tonspur authentischen Geplappers. Zuerst. So beiläufig wie der Filmabend beginnt, mündet er in einen ausgewöhnlich exzessiven Abend. Der Morgen danach gleicht einem Katergefühl mit Albtraumbeigeschmack. In Echtzeit ohne Schnitt zuckte Sebastian Schippers Film über die Leinwand. Ausgezeichnet.

In die Rolle eines stimmlosen Passanten versetzt, verfolgt man erst die belanglosen Gespräche inmitten einer Partynacht. Sonne, Boxer, Blinker und Fuß sind gerade aus dem Berliner Club rausgeworfen worden, als die spanische Victoria sich  mit dem Rad auf den Heimweg machen will. Die Jungs sind einfach sympathisch, waschechte Berliner eben. "Nichts hier mit zugezogen", scherzen sie in drunken English, eine eigene Sprache. Sie jobbt in einem Café, kennt kaum Leute. Erst recht keine Berliner. Sie folgt der Jungsgruppe, lässt sich an neue Orte entführen, amüsiert sich über ihre Aktionen, sich als Wagen- oder Ladenbesitzer auszugeben, einmal Dieb zu sein mit einem Lächeln. Sonne und Victoria kommen sich näher, erst auf dem Gepäckträger des Rads, auf dass sie springt. Dann am Dachsims der leisen Dunkelheit, dem Rückzugsort für die vier Jungs. Sie benötigen sicher immer mal einen (Zu)Fluchtsort - nach ihren Aktionen. Sonne begleitet Victoria noch in das Café, in dem sie am nächsten Morgen arbeiten muss. Sie bietet ihm noch einen Kaffee an, er bestellt eine heiße Schokolade. Sie spielt Piano. Erst da wird Sonne weich, als Victoria vom Konservatorium und ihrem Karrierewunsch erzählt, Pianistin zu werden. Dass es nichtt ausreichend war, sie nicht gut genug. Sonne ist fasziniert. Es ist sein erstes Klavier-Solo - live.

Dann kommt ein Anruf, Sonne muss los, ein Fahrer fehlt, Victoria hat noch zwei Stunde ehe sie den Laden öffen muss - also kommt sie mit, sie wird den Wagen fahren ...


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