Samuel Becketts Worte leiten den Rundgang in der Hamburger Galerie der Gegenwart durch Videos und Fotografien zum Thema "Besser scheitern" ein. Das Paradoxon stellt unbedingt unseren Leistungs- und Erfolgsdruck in Frage und setzt dem sogleich die schwindend geringe Wahrscheinlichkeit, in der Kunst zu Ruhm zu erlangen entgegen. Das gesellschaftliche, menschliche Scheitern als künstlerisches Thema, insbesondere aber auch das Scheitern in der Kunst.
"Immer versucht. Immer gescheitert. Einerlei.Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern."
Die erste Videoarbeit von Guy Ben-Ner ("If only it was as easy to banish hunger by rubbing the belly as it is to masturbate") schließt direkt an das Zitat an. Künstler und Museumsdirektor rasen endlos in einem Patchwork-Dialog aus Zitaten der Weltliteratur von Don Quichotte bis Warten auf Godot hängend und ziellos durch die Landschaften. Sie wechseln die Fortbewegungsmittel und den Hintergrund, das Gespräch zugleich bedeutungsschwanger und nihilistisch. Wenn das Scheitern im Zusammenbrechen, Stürzen, Fallen in einigen Arbeiten recht plakativ dargestellt ist, wohnt ihr schon allein in ihrer bestürzenden Wiederholung der Neubeginn inne. Im "Lauf der Dinge" werden bei Fischli & Weiss Dinge aneinandergereiht, die ein kleines Domino der Katastrophen anrichten, in allen Elementen. Das Scheitern als Dauerzustand. Der Mimik der Protagonisten in Steve McQueens "Deadplan" ist nichts anzumerken, während eine ganze Holzfassade auf sie hinunter bricht. Der Mensch wie ein Pfosten an der richtigen Stelle positioniert, tut sich nichts, weil er in seiner Stille und Standfestigkeit einfach durch die ausgesparte Fensteröffnung in der Holzfassade schlüpft und sich rettet. Sprechen wir dann von Widerstand und dem Neuversuch oder ist sie das, die personifizierte Optimierung des Scheiterns?
Tracey Emin zeigt mit "Why I never became a dancer" ihren Versuch, sich bei einem Tanz-Contest zu behaupten und am Ende den Wettbewerb selbst zum Kunstwerk macht, ihr Scheitern im Tanz mindestens zu einem erfolgreichen Kunstprojekt. Marina Abramovic kämt sich das Haar in einem Video so lang, als würde es sich dadurch verändern, mit viel Arbeit verbessern, glänzender werden, schöner als die Kunst; wenn man sich doch nur Mühe gibt.
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