Seife auf der Haut: das klingt sanft, soft, schön. Soap & Skin mit Ensemble aber sind von Beginn an dramatisch, verstörend. Durch die sanfte Stimme am Klavier schrammt der elektrisierte Sound der Streicher, kreischen ein paar hohe Töne. Und der gerade mal 22-jährigen Österreicherin Anja Franziska Plaschg spürt man an, dass Sie Künstlerin und nicht "nur" Musikerin, Sängerin und Pianistin, ist. Eine Gesamtperformance ist ihr Auftritt, ihre Musik experimentell, energisch. Mitunter hat man das bedrückende Gefühl, sie will die Bühne jetzt doch verlassen, wenn sie sich scheinbar erschöpft, in dem von Atem stockenden Applaus, nach einem Song vom Klavier erhebt und sich schleppend zum Bühnenrand bewegt. Doch sie kommt wieder, der Auftritt wie ein Lebenskampf. Sie lässt sich zu Boden fallen, steht auf. Dann dirigiert sie grotesk, mal schwarz, mal bunt gekleidet als sei sie unentschieden mit der Stimmung.
Sanft und schreiend ist sie, energisch schallen ihre Emotionen in den Saal des Kampnagel [K6]. Mitreißend, eine solch enorme Kraft kann von Musik ausgehen und spürbar gemacht werden. Eingebettet in eine Bühnenshow, die treffender formuliert eine Lichtinstallation und Musikperformance ist. Bedrohlich und theatralisch wandern Lichtkegel suchend, irrend durch den Saal und dann wird das Ensemble in wütendes Rot getaucht, verschwindet und mit dem Klang wird es wieder sichtbar. Luft anhalten, wieder, der Brustkorb spannt. Nie ist oder singt sie lieblich sondern nur kurz und leise, um in überraschend hohe, nahezu verzerrend, kreischende Laute ihrer Stimme überzugehen. Weinerlich nie, mitleiderregend nie, depressiv auch nicht, energisch-bedrohlich ist die Dame. Und bei all ihren Zeilen über das Vergehen und den Abschied, zaubert sie doch eine erstaunliche Lebenskraft auf die Bühne.
Mit einem Coversong von "Voyage, voyage" und einem, einzigen deutschsprachigen Song vom Laub auf dem Grab und den vergehenden Farben, der Haut bringt sie eine einfältige Vielfalt in ihr Repertoire, das Elemente von elektronischer Musik über klassisch-experimentell und dark/ gothic hin zur singer-songwriting-Manier umfasst. Hervorragend, be(ein)dru(e)ckend, die junge Wiener Wunderfrau.
mehr_http://kampnagel.de/index.php?page=detail&cluster=817816
Kommentare
Kommentar veröffentlichen