„Kinder trauriger Eltern haben schöne Namen“: 32 Jahre Altersunterschied trennen Matea und Mercedes, dazwischen wird Mira geboren. Mika Sophie Kühmel schreibt in ihrem Roman „Triskele“ (S. Fischer 2022) über drei Schwestern, deren Mutter sich das Leben nahm.
Die Schwestern blicken zurück auf ihre Mutter, die für jede von ihnen eine andere war. In den Kapiteln wechseln sich ihre Perspektiven ab: Sie reflektieren ihr Familienleben zwischen Arbeit und Oma, die Schwangerschaften und Krankheitsgeschichte der Mutter Mone. Die Infos und die Phasen des Suizids wie in einem Sachbuch geschildert, als wolle die Autorin die Töchter nicht nur aufarbeiten, sondern gar aufklären lassen.
Kühmel komponiert wunderbar die Perspektiven der Töchter, hopst von Blick zu Blick auf Mutter, Gegenwart und Vergangenheit. Skippt durch ihre Leben. Kapitel um Kapitel. Die 1992 geborene Autorin, schafft Wortblüten des Schmerzes und eindringliche Bilder der Kindheit durch Analogien der Natur - der aufgebrochene Hase, der Computer-Wald, der Milchkampf der Katze.
Vom Leben bleibt die Trauer
Die Schwestern blicken zurück auf ihre Mutter, die für jede von ihnen eine andere war. In den Kapiteln wechseln sich ihre Perspektiven ab: Sie reflektieren ihr Familienleben zwischen Arbeit und Oma, die Schwangerschaften und Krankheitsgeschichte der Mutter Mone. Die Infos und die Phasen des Suizids wie in einem Sachbuch geschildert, als wolle die Autorin die Töchter nicht nur aufarbeiten, sondern gar aufklären lassen. "Alle fünfzig Minuten stirbt ein Mensch an Selbsttötung. Das mag im Vergleich wenig sein - aber es sind trotzdem mehrere tausend Menschen, die diesen Schritt jetzt gerade gehen. Der Schritt auf die Gleise, der Schritt mit dem Seil um den Hals vom Stuhl, der Schnitt durch die Ader, der Schluck aus der Flasche: Suizide sind diese Art von Geschichten, von denen immer mehr auftauchen, je mehr man von sich preisgibt, von der eigenen Erzählung. Etwas wird ausgesprochen, und es wachsen drei Sätze nach oder drei Tote. Und pro Tote drei Trauernde. Und pro Trauernde gibt es drei Lebensgeschichten, die weitergehen. Mindestens. Das ist die Krux, dass es auch darum geht, wie die überleben, die Überlebenden."

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