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Von getäuschter Liebe, einer traumatisierten Mutter und einem halben Helden

Ein Zeichen vom Jugendfreund, ein Besuch im Hospiz. Zwischen ihrer Wohnung und seinem Sterbebett überschlagen sich ihre Erinnerungen: An die Kindheit, ihre Mutter, dem Holocaust entkommen und immer in Angst und Sorgen lebend. In der Schule bekommt Elisabeth den Namen Alisa, die erste Generation im Lande Israel. Das war 1959. Bei den Pfadfindern lernt die Jugendliche Yigal kennen und den Traum von einem starken Staat.


Von der Euphorie einer Bewegung für Israel, dem Krieg, dem Fall, der Haft, der Gefangenschaft: Yigal Ben Dror verkörpert diesen Aufstieg von Verblendung und Verleugnung in Lizzie Dorons Roman „Was wäre wenn". Er ist ihre Jugendliebe oder ihr jugendlicher Wunsch einer Liebe, die man nie gelebt hat.

"1967

Yigal Ben Dror und ich sammeln Fotoreportagen über den Krieg, lesen Zeitungsartikel über die Heldentaten der Soldaten, feiern den Sieg und hören nicht auf zu knutschen, denn dies ist unser Land, unsere Heimat, uns gehört dieses Land. Yigal verrät mir, im nächsten Krieg habe er vor, ein Auge zu verlieren und dann - wie Moshe Dayan - eine schwarze Augenklappe zu tragen. „Eine perfekte Verwunderung“, bestärke ich ihn. Und ich schwöre, seinen, meinen Traum niemanden zu verraten.

An einem Abend dieser Tage, die Entscheidung eines hormongesteuerten Augenblicks, schwänzen wir die Schule, um den Sieg mit eigenen Augen zu sehen. ... Die Erlösung ist nah.

Am Abend, kurz bevor meine Mutter uns bei der Polizei als vermisst melden möchte, kehren wir nach Hause zurück. Meine Mutter straft Yigal und mich mit einem empörten, wütenden Blick. „Bandit …“, jetzt hat er einen Spitznamen. „Was wäre, wenn … „, sagt sie. „Es reicht“, ich platze dazwischen, stoppe ihre Rede im Ansatz, die aus tiefster Seele zu kommen droht. Schließlich kenne ich sie schon. Was wäre gewesen, wenn … Sie schafft es nicht, Worte zu artikulieren, und weint bloß, aber auch nicht richtig, nur ihre Tränen fließen. Sie versteht gar nicht, dass sie mir Schande bereitet, dass hier, in unserem Land nicht geweint wird. „Was wäre, wenn was …?“ Yigal steht neben mir, äfft ihren polnischen Akzent nach. Lacht hämisch. Meine Mutter verstummt. „Frau Was-wäre-wenn erlaubt mir nicht, mit ihrer Pannentochter zu gehen“, spottet er und erzählt es allen.

Nachts verrät sie mir, einer der im Krieg gefallenen sei der Sohn unseres Direktors Rachmilovitsch gewesen. Und dann verbietet sie, das Yigal noch einmal zu uns kommt." S. 33-35

Er verschwindet. Er taucht wieder auf, in Erzählungen der Hebamme bei der Geburt ihres Kindes, auf dem Motorrad nach der Gefangenschaft, in Nachrichten zwischen Wahn und Wahrheit im Internet. Ist sie am Ende bei ihm, oder nicht? Am Ende sterben Menschen fast immer allein.

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