Ich bin zweiundzwanzig Jahre alt. Mein bester Freund ist gestorben, weil er sich an eine nicht richtig geschlossene Regionalzugtür gelehnt hat. Das ist erst zwölf Jahre her. Immer, wenn meine Großmutter von einem Okapi träumt, stirbt hinterher jemand. Mein Vater findet, dass man nur in der Ferne wirklich wird, deshalb ist er auf Reisen. Meine Mutter hat einen Blumenladen und ein Verhältnis mit einem Eiscafébesitzer, der Alberto heißt. "Diesen Hochsitz da“, ich zeigte auf die angrenzende Wiese, „Hat der Optiker angesägt, weil er den Jäger umbringen wollte." Der Optiker liebt meine Großmutter und sagt es ihr nicht. Ich mache eine Ausbildung zur Buchhändlerin. (S. 135)
Damit ist fast alles erzählt, worum es in „Was man von hier aus sehen kann“ (2017, Dumont) von Mariana Leky geht. Um Selma und ihre Enkelin Luise, der man in drei Lebensabschnitten begegnet, in nahezu jedem stirbt jemand. Zugleich zieht der Tod als Schrecken durch das Dorf, in dem jede mit jeder etwas zu tun hat oder zu tun haben will. Und zugleich etwas verschweigt. Etwas Welt reinlassen, das raunt Luises Vater sehnsüchtig, kauft einen Hund, um den alten Schmerz zu zähmen, schickt seiner Mutter Bildbände von fernen Ländern ins Dorf, lässt seine Frau und Tochter irgendwie zurück, man entfernt sich.
Oma Selma sieht aus wie Rudi Carrell und ernährt sich von Mon Chéri, und manchmal träumt sie von einem Okapi und verschreckt das ganze Dorf mit dem . Sie ist sich nicht sicher, aber selbst das spricht sich schnell herum. Man beginnt sich dann zurückzuziehen, vorsichtiger zu sein, dem prophezeiten Tod zu entkommen.
Orakel, Okapi, Optimismus – Lekys Buch ist ein Märchen, dicht und idyllisch, erzählt es von der Liebe auf den ersten Blick, der Stille, dem Glück in dem, was nicht da ist und der Sorge vor dem, was wir verlieren könnten, von Verlust und Tod. Von Briefen und Träumen, von fernen Ländern, Kalendern und Reisen – und vom Okapi, das es wirklich gibt.
Oma Selma sieht aus wie Rudi Carrell und ernährt sich von Mon Chéri, und manchmal träumt sie von einem Okapi und verschreckt das ganze Dorf mit dem . Sie ist sich nicht sicher, aber selbst das spricht sich schnell herum. Man beginnt sich dann zurückzuziehen, vorsichtiger zu sein, dem prophezeiten Tod zu entkommen.
Als sechsundzwanzig Stunden nach Selmas Traum der neue Tag begann, standen die neuen Leute da in ihren Schlafanzügen, mit ihren immer noch intakten Herzen, … Sie waren heilfroh und nahmen sich vor, sich künftig an allem zu freuen und dankbar zu sein, weil sie noch vorhanden waren. Sie nahmen sich vor, sich am Lichtspiel zu freuen, das die Morgensonne in den Apfelbäumen veranstaltete … Aber immer kam nach kurzer Zeit der Dankbarkeit und Freude dann ein Wasserrohrbruch oder eine Nebenkostenabrechnung, und da waren Freude und Dankbarkeit schnell verwässert, da war man dann nicht mehr dankbar, dass man vorhanden war, da war man verärgert, dass mit einem selbst auch Wasserrohrbrüche und Nebenkostenabrechnungen vorhanden waren, und das Sonnenlicht im Apfelbaum konnte einpacken. (S. 97)
Orakel, Okapi, Optimismus – Lekys Buch ist ein Märchen, dicht und idyllisch, erzählt es von der Liebe auf den ersten Blick, der Stille, dem Glück in dem, was nicht da ist und der Sorge vor dem, was wir verlieren könnten, von Verlust und Tod. Von Briefen und Träumen, von fernen Ländern, Kalendern und Reisen – und vom Okapi, das es wirklich gibt.
Wenn wir etwas anschauen, kann es aus unserer Sicht verschwinden, aber wenn wir nicht versuchen, es zu sehen, kann dieses Etwas nicht verschwinden.

Kommentare
Kommentar veröffentlichen