Gerade sorgen ein paar Schauspielerinnen und Schauspieler mit #allesdichtmachen in den sozialen Netzwerken für Empörung und Jubel zugleich. Mir stößt das übel auf, denn ich leide (wohl) nicht (genug).
Die vermeidlichen Fürsprecher der Menschen, die mehr unter den Maßnahmen als der Angst oder den Folgen des Virus selbst leiden. Ja, dabei ist doch der Sekundär-Effekt (Corona-Maßnahmen) für uns alle, Busfahrerinnen, Gesundheitspersonal wie Kulturschaffende oder Home-Office-Geplagte, der gleiche. Also bleiben WIR doch alle Betroffene, dachte ich. Deswegen die Sache mit dem Wir und dem Zusammenhalt. Das ist kein Fake. (In einem der Videos wird das Wir bezweifelt, für alle, die sich nicht durch die Videos geklickt haben.) Du, ich, wir alle können an Folgen der Pandemie leiden - und uns gleichzeitig, mit einfachen Mitteln (AHA+) helfen. Diskutiert werden die Wohlstandsqualen in meinem Bekanntenkreis zur Genüge. Und im Netz. Meinungsfreiheit, ja.
Die Kultur in der Rolle der Kritiker, die auf Missstände hinweist und Debatten auslöst. Ja, ich muss sagen, darauf habe ich schon gewartet. Das war überfällig. Der Zeitpunkt ist nur ungünstig. Die dritte Welle überragt die letzte, die Menschen sind müde und keiner bleibt mehr zu Hause - aus Rücksicht oder Angst. Die Hubschrauber fliegen Patienten aus anderen Bundesländern ein. Die Teens knutschen wild, die Familien cornern auf den Spielplätzen, alle machen einen Ausflug mit der Fähre am Wochenende oder zu den Großeltern. Man lebt, so gut es geht. Und es geht. Uns geht es (verdammt) gut. Nur etwas zerstört sehen wir dabei aus. Schuld daran ist nur nicht die letzte Party.
Ich klicke ein paar der Videos der Kampagne durch, klicke weg. Nicht mein Geschmack. Häme und Zynismus. Das Netz ist bitter. Mein Leben aber nicht. Und: In der Coronavirus-Pandemie habe ich lediglich Schuldgefühle, weil es mir scheinbar nicht so schlecht geht. Weil ich mich weder finanziell noch gesundheitlich oder sozial stark betroffen fühle. Lösungen gefunden habe, mit der Situation zu leben. Nachdem ich den richtigen Gang fand: Fokus auf mich und meine Gesundheit. Ich darf das nur nicht laut sagen. Denn mein Umfeld jammert, mal laut und leise. Meine Haut ist dünn und wund.
Die individuellen Belastungen waren doch zuvor schon da, nur können wir jetzt die Pandemie dafür verantwortlich machen, die das Faß zum Überlaufen brachte.
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