2017 tobt #metoo noch durch die sozialen Netzwerke. Im September 2016 wurde "Untenrum frei" im Rowohlt Verlag veröffentlicht. Margarete Stokowski versammelt darin sieben Essays, die vom Frausein handeln, von Freiheit und Gleichberechtigung, von Macht und Unterdrückung, von Sex, von sexuellen Übergriffen, von Scham und der Bedeutung des Redens. Von Frauen von heute. Vom Leben der Frau in westlichen Demokratien, dem Aufwachsen in "Zeiten der Gleichberechtigung" und sie hält den Finger in die Wunde. So frei (von Sexismus) sind wir nicht.
Und gleichzeitig - das ist das Bewundernswerte - betont Stokowski einen Feminismus, der sich nicht über das männliche Geschlecht zu stellen versucht - und es nicht tun muss, der nicht auf Repression mit Abwerten reagiert.
Nicht-Feministinnen und Nicht-Sichselbst-Befreierinnen greift sie auch nicht an. Überhaupt ist sie selbst so weit weg von Wertung und Überheblichkeit, dass sie einen ganz wunderbaren Appell für mehr Toleranz wagt: Körperbehaarung, Penisse, Objekte und Subjekte.
Wir können untenrum nicht frei sein, wenn wir obenrum nicht frei sind. Und andersrum.In "Untenrum frei" illustriert Stokowski ihre Thesen mit autobiografischen Ausflügen in die Kindheit, die Schul- und Uni-Zeit. Dieses provokante Erzählen erinnert auch an Kuttner und Roche, die auch überziehen. Stokowski bleibt aber witzig und klar. Ihre Erfahrungen schildert sie exemplarisch, um die persönlichen Glaubenssätze knapp mit philosophischen Auszügen zu verbinden. Das kleine Mädchen, das Angst hat, geklaut zu werden, weil es gelernt hat, dass Wertvolles genommen werden kann. Oder weggenommen. Simone Beavoiurs "Man wird nicht als Frau geboren, man wird es <dazu gemacht>", zeigt, gerade in der oftmals benutzten (aber fehlerhaften) Übersetzung die Passivität der Frau. Neben der kindlichen Prägung geht es in den weiteren Kapiteln um Schönheit, die Fürsorge-Pflicht der Frau, Sex und sexuelle Befreiung, feministische Autonomie, Sprache, Liebe und Kinderkriegen.
Und gleichzeitig - das ist das Bewundernswerte - betont Stokowski einen Feminismus, der sich nicht über das männliche Geschlecht zu stellen versucht - und es nicht tun muss, der nicht auf Repression mit Abwerten reagiert.
Gleichberechtigung heißt: den anderen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte.
Nicht-Feministinnen und Nicht-Sichselbst-Befreierinnen greift sie auch nicht an. Überhaupt ist sie selbst so weit weg von Wertung und Überheblichkeit, dass sie einen ganz wunderbaren Appell für mehr Toleranz wagt: Körperbehaarung, Penisse, Objekte und Subjekte.
Margarete Stokowski (1986) hat Philosophie und Sozialwissenschaften studiert, lebt und arbeitet in Berlin, ist Autorin und Kolumnistin. Auf Spiegel Online erscheint wöchentlich ihre Kolumne "Oben und unten".
Kommentare
Kommentar veröffentlichen