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Von lesenden Songwritern aus Kristallgruben

Kristallgrube auf: eine Truhe voller Märchenbücher, und ein paar deutsche Singer-Songwriter greifen hinein. Nicht die eigenen Texte, verlautbaren sie, diesmal werden Grimms Märchen in Originalfassung gelesen. Ins Schwarz-Weiß des vor die Projektion eines Birkenwäldchens gesetzt wie in eine heile Welt gepackt - findet sich viel Variation in der Lesung des bekannten Stoffs: Stimme, Klangfarbe und Stimmlage. Die Art zu lesen und zu verstehen. Die wörtliche Rede, hoch bis piepsig. Am Bettrand der Kinder hockend kann man sie sich so wirklich oder auch so gar nicht vorstellen.Verschlufft bewegen sich Wolfgang Müller, Tex, Tom Liwa, Jan Plewka, Francesco Wilking, Möritz Krämer und Gisbert zu Knyphausen durch den Sonntag über die Bühne des Übel & Gefährlich in Hamburg. Auch ohne Choreographie, zumindest die Reihenfolge steht, stimmt alles.
Tom Liwa stimmt mir dem "Dorröschen" in tiefem, betontem Klang ein. Gisbert singt plötzlich auf Holländisch, etwas Kitsch von Fahrrädern und Krachten - und nuschelt dann den "Froschkönig" ins Mikro, rührend ergänzt er mit "Heinrich, der Wagen bricht - nein, es sind die eisernen Bänder meiner Brust, die vor Freude springen,  ...". Mit der Mär von der klugen Else, lässt ClickClickDeckers Performance die Masse vor Freude aufkreischen. Tele-Sänger Francesco Wilking und Moritz Krämer performen den "Löwe und den Frosch" fast im Duett und gestehen sich ein, dass man bei einem späten Auftritt lange Zeit hat, um hinter der Bühne in die Kristallgrube zu schauen. Nun. "Das sagt man doch nicht", krächst Moritz und liest "Vom dem (erbärmlichen) Tode des Hühnchens" und zwischendrin finden sie wieder ihre Gitarren, greifen na iihnen und singen als "Die höchste Eisenbahn":


In die Märchenstunde "Es war einmal und wenn ..." reinhören_http://www.tape.tv/channel/eswareinmalundwennsienicht

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