Ein Kreis, die Bühne, das Publikum starrt auf die Manege, die Gerichtssaal, endlose Wüste und Ringkampf zugleich ist. Jette Steckel verstrickt in Albert Camus "Der Fremde" zwei Stoffe miteinander. Einmal Camus Romanfigur Meursault: Aus
vermeitlicher Notwehr tötet er einen Araber und ist durch eine sonderbare
Gleichgültigkeit geprägt, die ihn selbst bei der Beerdigung seiner Mutter
nicht verlässt. Er weint nicht. Ein schepperndes Lachen kennzeichnte den Märtyrer Madjid Kawussifar, der 2005 der für den Mord an einem Iranischen Richter verantwortlich und nach seiner Anklage hingerichtet wird. An der Schlinge grinst er gleichgültig, lacht. Zwei Stoffe, zweimal der Fremde.
"Ich bin Albert Camus", sagt eine der vier Figuren auf der Bühne, schwarz-weiß gekleidet, eine Frau, drei Männer, eine Figur der Beruf, eine die Qual, ... alle sind sie aber Meursault, einer im Kampf mit sich selbst. Jeder greift jeden an. Und immer drei greifen sich den vierten, um ihn am Rande des Kreises in die Knie zu zwingen. Jeder gegen jeden, jeden ins Aus schießen, zwei den einen, einer den anderen, einer sich selbst, bis keiner mehr (im Kreis) bleibt. Die Zelle.
Gefesselt in Nylon wie ein festgebundener Hund, der zugleich der Mensch ist, Folteropfer und Henker. Schürfwunden im Fell und verkrüppelt zusammengeschnürt liegt da der Körper nach dem Angriff. Der Halter kreischt: "Mein Hund ist weg! - - - Ich wollte ihm schon länger ein engeres Halsband kaufen."
"Und ein Heim, da findet man am wenigsten Freude. - Ich muss jetzt Heim. - Hat jemanden meinen Hund gesehen?"
"Ich hasse Sonntage."
Anklagebank, das Publikum, die Schöffen, das Starren. Ein Mann im Verhör, eine Frau, das Umfeld wird über die Zusammenhänge der Emotionslosigkeit, den Umgang mit dem Tod befragt. Ein Malheur, meint der Nachbar. Und die beiden Stoffe fließen ineinander als seien sie einer, wie die Dialoge und Tatbestände sich vermischen. Die Geliebte, die Freundin, die Sekretärin des Chefs wird befragt. Empfindsam sei er schon.
"Du bist so seltsam, aber genau deshalb liebe ich dich und vielleicht ... werde ich dich aus diesem Grund irgendwann abstoßend finden."
"Heirat, ja. Aber Liebe, nein."
"Würdest du zu einer anderen Frau, zu der du in einer ähnlichen Beziehung stehst, auch Ja sagen?"
Ein Tag am Meer.
"Die Sonne fiel senkrecht auf das Meer// Man ertrug den Glanz fast nicht."
"Ich bin mit Sternen über dem Gesicht aufgewacht.
Eine Hetzjagd startet
"Du hast den Araber getötet."
"Wir müssen den Araber erwischen."
Halluzinierend schleppt sich dieser durch die Wüste aus rotem Sand, verfolgt, getrieben. "Soll er doch die Kamele ficken", flucht er. Schleppt sich weiter.
Die Figuren scheiden aus.
"Wenn mir etwas passiert, bin ich lieber nicht da."
"Man könnte hier bleiben, oder weg gehen."
"Es bleibt ja sowieso keine Zeit."
Fragen nach Zeit, Weg und Urteilsfindung kreisen im Raum, Schüsse fallen. Einer fällt, taumelt, und die Hinrichtung rückt näher, der eigene Tod.
"Ich lauschte meinem Herzen, ich konnte mir nicht vorstellen, dass dieses kleine Geräusch, das mich schon so lange begleitet, jemals aufhört."
Madjid arrangiert sich mit seiner Strafe, er stirbt aus Prinzip seinen Märtyrertod, selbst der Hass des Publikums, ihr Grinsen im Scheinwerferlicht, stört ihn nicht als er den Punkt der Unabhängigkeit erreicht, dass ihm selbst sein Tod keinen Schmerz mehr bereiten könne, verspürt er es, das Glück: "Die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt, als ich sah wie ähnlich sie mir war, wusste ich, dass ich glücklich war."
mehr_http://www.thalia-theater.de/h/repertoire_33_de.php?play=490
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| "Die/ Der Fremde" auf Schauspielhaus-Postkarte (hh 12/12) |
"Ich bin Albert Camus", sagt eine der vier Figuren auf der Bühne, schwarz-weiß gekleidet, eine Frau, drei Männer, eine Figur der Beruf, eine die Qual, ... alle sind sie aber Meursault, einer im Kampf mit sich selbst. Jeder greift jeden an. Und immer drei greifen sich den vierten, um ihn am Rande des Kreises in die Knie zu zwingen. Jeder gegen jeden, jeden ins Aus schießen, zwei den einen, einer den anderen, einer sich selbst, bis keiner mehr (im Kreis) bleibt. Die Zelle.
Gefesselt in Nylon wie ein festgebundener Hund, der zugleich der Mensch ist, Folteropfer und Henker. Schürfwunden im Fell und verkrüppelt zusammengeschnürt liegt da der Körper nach dem Angriff. Der Halter kreischt: "Mein Hund ist weg! - - - Ich wollte ihm schon länger ein engeres Halsband kaufen."
"Und ein Heim, da findet man am wenigsten Freude. - Ich muss jetzt Heim. - Hat jemanden meinen Hund gesehen?"
"Ich hasse Sonntage."
Anklagebank, das Publikum, die Schöffen, das Starren. Ein Mann im Verhör, eine Frau, das Umfeld wird über die Zusammenhänge der Emotionslosigkeit, den Umgang mit dem Tod befragt. Ein Malheur, meint der Nachbar. Und die beiden Stoffe fließen ineinander als seien sie einer, wie die Dialoge und Tatbestände sich vermischen. Die Geliebte, die Freundin, die Sekretärin des Chefs wird befragt. Empfindsam sei er schon.
"Du bist so seltsam, aber genau deshalb liebe ich dich und vielleicht ... werde ich dich aus diesem Grund irgendwann abstoßend finden."
"Heirat, ja. Aber Liebe, nein."
"Würdest du zu einer anderen Frau, zu der du in einer ähnlichen Beziehung stehst, auch Ja sagen?"
Ein Tag am Meer.
"Die Sonne fiel senkrecht auf das Meer// Man ertrug den Glanz fast nicht."
"Ich bin mit Sternen über dem Gesicht aufgewacht.
Eine Hetzjagd startet
"Du hast den Araber getötet."
"Wir müssen den Araber erwischen."
Halluzinierend schleppt sich dieser durch die Wüste aus rotem Sand, verfolgt, getrieben. "Soll er doch die Kamele ficken", flucht er. Schleppt sich weiter.
Die Figuren scheiden aus.
"Wenn mir etwas passiert, bin ich lieber nicht da."
"Man könnte hier bleiben, oder weg gehen."
"Es bleibt ja sowieso keine Zeit."
Fragen nach Zeit, Weg und Urteilsfindung kreisen im Raum, Schüsse fallen. Einer fällt, taumelt, und die Hinrichtung rückt näher, der eigene Tod.
"Ich lauschte meinem Herzen, ich konnte mir nicht vorstellen, dass dieses kleine Geräusch, das mich schon so lange begleitet, jemals aufhört."
Madjid arrangiert sich mit seiner Strafe, er stirbt aus Prinzip seinen Märtyrertod, selbst der Hass des Publikums, ihr Grinsen im Scheinwerferlicht, stört ihn nicht als er den Punkt der Unabhängigkeit erreicht, dass ihm selbst sein Tod keinen Schmerz mehr bereiten könne, verspürt er es, das Glück: "Die zärtliche Gleichgültigkeit der Welt, als ich sah wie ähnlich sie mir war, wusste ich, dass ich glücklich war."
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