Nach dem großartigen "Woyzeck" und dem beeindruckenden "Don Carlos" in Jette Steckels Inszenierungen, große Erwartungen an Ilija Trojanows "Die Welt ist groß und Rettung lauert überall". Eine große Reise in die kleine Welt. Über drei Stunden drei Nomaden begleiten: auf der Flucht und Suche nach dem Goldenen Westen, dem gelobte Land, dessen Zwischenstation sich Asyl nennt, dann Italien und schließlich Deutschland, rettungslos verloren gehen.
Die Träumerin Jana mit den komischen Gedanken stockt. Und der Idealist Vasko mit den vernünftigen Ideen ergreift mit ihr die Flucht. Die Flucht aus dem System, der kommunistischen Diktatur Bulgariens, wo die roten Fahnen neben Abrissbauten und der Militärmaschinerie geschwenkt werden. Nach dem Asyl, der Weggeschlossenheit, landen sie mit ihrem Sohn Alex ausgerechnet in Italien, Trieste. Schokolade suchen. Der Patenonkel heizt an, hilft, wirft die Würfel. Alex war ein guter Wurf. Und was bleibt ist die Veränderung.
Die Würfel fallen, Ballons steigen auf, Zucker aus Kuba, Popcorn aus Amerika. In Deutschland sind sie alle reich. Und sie tanzen Balkan, Italian und Latin durch Popcorndünen, beschreiten Bretterpässe, Fahrräder tragen sie durch die Welt, Maispflanzen wie Grenzzüge. Grenzen, die überwunden werden müssen, an Illusionen glauben. Träueme aufrecht erhalten und loslegen, flüchten, weitergehen, ...
Alex, der Sohn, fühlt sich eingesperrt in der westlichen Welt, wo die Arbeit, Inbegriff des Lebens geworden, er sich ein- und wegrollt. Ein Teppich zum Ersticken lang und hoch. Wie ein Pubertierender vom Patenonkel Bai Dan in den Schwitzkasten genommen und wieder auf die Beine gestellt wird. Da sind die Charaktere auch Charaktere, so weit sie der Souffleuse den Text nicht glauben, anarchisch die eigene Geschichte durch Ausbrüche formen. Sie wollen selbstbestimmt und auf dem richtigen Weg sein. Zweifeln. Hadern, tanzen, leben, ...
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