Das Haus, das Meer und die Stille. Das Leben in der Wohnung an der Straße, auf dessen Balkon die Neon-Leuchten der Tankstelle fallen, und die monotone Arbeit in der Zigarettenfabrik, dieses Leben liegt hinter ihr. Da gab es die Kiste, den Zauberer, dessen Frau und das Angebot, mit ihnen als die zersägte Assistentin auf Tour zu gehen. Den Ex, der sich nun in zwei Wohnungen zubaut, in Material für den Notstand versteckt, sammelt, liest, hortet. Und ihre Tochter, volljährig, schickt von ihren Reisen durch die Welt nur Signale und Koordinaten. Einsilbig. Ihm schreibt sie aber, lange Briefe.
Der Nager im Haus, die Falle und die Nachbarn
In Judith Hermanns neuem Roman „Daheim“ geht es um eine Frau, die in ein kleines Haus am Haff zieht. Es ist still dort, nachts nagt es und einmal stehen die Türen offen, die Einsamkeit weht herein. Hier lernt sie die Nachbarin Mimi kennen, eine lebendige Frau, die sie zum Abendschwimmen und anderen Abenteuern auffordert. Sie trifft den Bauern Arild, der gut im Fallen bauen ist und das Leid seiner Haufen Tiere stumm übersehen kann. Und schläft mit ihm. Ganz in der Nähe betreibt ihr Bruder eine Gastwirtschaft. Er empfindet für ein unsicheres haltloses Mädchen eine große Zärtlichkeit und fährt sie brav zum Kartenspielen in die Wohnwagen-Siedlung. Er weiß nicht, was sie dort tut und ob sie bei ihm bleibt.Nike ist als Kind in einer Kiste eingesperrt gewesen. Ihre eigene Mutter hat sie in die Kiste eingesperrt, manchmal nur eine Stunde, manchmal ein paar Tage lang. Je nachdem. Je nachdem, wie es Nikes Mutter ging, was sie zu tun hatte, ob sie wohin musste, Besuch bekam, nicht gestört werden wollte. Je nachdem, wie Nike sich benahm, ob sie machte, was man ihr sagte oder ob sie sich zur Wehr setzte, nicht machte, was man ihr sagte. Möglicherweise weinte, eine Art von Widerstand leistete, was anderes wollte. Was eigenes. (S. 68)
Kommentare
Kommentar veröffentlichen